Wasserstoff

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Fundiertes Wissen ist für einen erfolgreichen Markteintritt entscheidend. Die Exportinitiative Energie hilft Ihnen mit ihrem Experten-Know-how bei der Einschätzung. Unsere Zielmarktanalysen bieten ausführliche Informationen zu den jeweiligen Ländern und ihren spezifischen Chancen. „Grüner Wasserstoff ist ein zentraler Energieträger der Zukunft, den wir auf dem Weg zur Klimaneutralität brauchen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Rahmen der Wasserstoff-Konferenz im Oktober 2020.

Chile, USA, Australien, Oman, Frankreich: Welche Auslandsmärkte sich besonders lohnen könnten, lesen Sie in unserem ausführlichen Marktüberblick.

Chile: Technologien zur Wasserstoffherstellung, Speicherung, Verteilung und Nutzung

Der chilenische Markt für Wasserstoff hat im internationalen Vergleich ein sehr hohes Potenzial. Maßgebliche Gründe hierfür sind die hervorragenden Bedingungen für erneuerbare Energien und die damit einhergehenden niedrigen Strompreise. Die Subventionen des chilenischen Staates beschränken sich zurzeit noch auf zwei Projekte der staatlichen Wirtschaftsfördergesellschaft CORFO, weshalb bislang nur eine sehr überschaubare Anzahl an Projekten im Land realisiert worden ist.

Dies dürfte sich jedoch schnell ändern, sobald es möglich ist, grünen Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen zu produzieren oder wenn in den entwickelten Ländern der Import von grünem Wasserstoff subventioniert würde.

Zudem gibt es aktuell Bestrebungen von mehreren internationalen Akteuren, sich im Bereich Wasserstoff auf dem chilenischen Markt zu positionieren. Die Nationale Wasserstoffstrategie Chiles soll vier Säulen umfassen: Regulierung und Verbreitung, Pilotprojekte im industriellen Maßstab, Entwicklung von Humankapital und Instrumente zur Finanzierung.

Chile

Santiago, Chile

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Der chilenische Staat und die Regierung stehen ausländischen Investoren sehr aufgeschlossen gegenüber. Der Aufwand für die Etablierung einer Niederlassung ist gering und innerhalb weniger Wochen zu realisieren. Der Korruptionsindex und die demokratische Ordnung werden von internationalen Beobachtern allgemein mit mitteleuropäischem Niveau gewertet – dies ist für Lateinamerika einzigartig. Das Marktpotenzial für grünen Wasserstoff ist durch die bisher kaum realisierten Projekte und die günstigen klimatischen Bedingungen für erneuerbare Energien insbesondere Solarenergie und Windenergie sehr groß.

Produkte und Lösungen „Made in Germany“ genießen einen hohen Stellenwert und rechtfertigen auch in Chile einen gewissen Aufpreis zum asiatischen Wettbewerb, sofern dieser gut begründet wird. Grundsätzlich werden eigenständige Projekte zu erneuerbaren Energien deutlicher als der reine Produktaustausch einzelner Geräte wahrgenommen, da die Produkte und Teillösungen als Bestandteil der effizienteren Ausgestaltung der Prozesskette weniger sichtbar sind.

Weitere Informationen zum chilenischen Wasserstoffmarkt finden Sie hier. Im ersten Quartal 2021 findet außerdem eine Geschäftsreise der Exportiniative Energie nach Chile zum Thema Wasserstofftechnologien und Erzeugung von synthetischen Brennstoffen statt.

USA: Alternative Kraftstoffe mit Fokus auf Wasserstoff und Ladeinfrastruktur in Kalifornien

Kalifornien ist unangefochtener Marktführer für alternative Kraftstoffe und für knapp die Hälfte des US-Absatzes von Nullemissionsfahrzeugen und die global höchste Anzahl an Brennstoffzellenautos auf den Straßen verantwortlich. Der US-amerikanische Bundesstaat setzt zur Erreichung seiner Emissionsziele auf eine Kombination aller Technologien für Null- und Niedrigemissionsfahrzeuge und fördert sowohl batteriebetriebene Elektrofahrzeuge, Wasserstofffahrzeuge als auch biogasbetriebene Fahrzeuge.

Während Hybrid- und Elektrofahrzeuge bei weitem das größte Marktsegment in Kalifornien repräsentieren, wächst der Anteil der Wasserstofffahrzeuge derzeit rapide. Momentan sind rund 6.000 Wasserstoff-Fahrzeuge in Kalifornien registriert, bis 2022 wird jedoch ein steiler Anstieg auf 26.900 Fahrzeuge prognostiziert, bis 2025 sollen es dann sogar 48.000 Fahrzeuge sein.

Gute Geschäftschancen im Golden State: Die große Unterstützung in der Bevölkerung, eine hohe Kaufkraft, zusammen mit einer hohen Anzahl an ‚Early-Adoptern‘ bieten in Kalifornien ideale Bedingungen für den Absatz von Technologien zur Erzeugung von Kraftstoffen alternativ angetriebenen Fahrzeugen.

Es ist zu erwarten, dass alltagstaugliche, alternativ angetriebene Fahrzeuge, die bequem zu betanken sind und deren Anschaffung mit staatlichen Prämien gefördert wird, weiterhin ein sehr hohes Verbraucherinteresse hervorrufen. Der gesamte Marktbereich rund um alternative Kraftstoffe und besonders der Wasserstoffmarkt versprechen daher sehr aussichtsreiche Chancen für deutsche KMU in diversen Anwendungsfeldern. Sowohl PKWs als auch öffentliche Verkehrsmittel, Lastwägen und Ladestationen werden gefördert. Kalifornien plant ein strategisches Infrastrukturnetz für alternativ angetriebene Fahrzeuge, für das noch innovative Lösungen benötigt werden und deutsche Anbieter technisch ausgereifter und marktgerechter Produkte auf hohes Interesse stoßen werden.

Los Angeles, USA

Los Angeles, USA

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Speziell auf dem Wasserstoffmarkt sind Brennstoffzellenlösungen gefragt, besonders im Bereich schwerer Nutzfahrzeuge. Dabei stoßen Technologien für Busse, LKWs und Fahrzeuge wie Gabelstapler auf Interesse am kalifornischen Markt. Wie man am Beispiel der Water-GoRound – der weltweit ersten, kommerziellen Brennstoffzellenfähre in San Francisco – erkennt, wächst ebenfalls die Rolle des maritimen Sektors in Bezug auf Brennstoffzellentechnologie. Potenzielle Komponenten, Innovationen oder Technologien in diesem Bereich sind für den kalifornischen Markt hochrelevant. Zusätzlich haben deutsche Technologien das Potenzial, den Infrastrukturausbau der Wasserstofftankstellen zu unterstützen und diesen durch innovative Produkte und Modelle voranzutreiben.

Neue Technologien und Innovationen im Bereich Infrastruktur sind allgemein hochgefragt. Auch im Bereich der Wasserstoffproduktion können deutsche Anbieter auf großes Interesse stoßen. Laut Experten sind vor allem Elektrolyseure und weitere Technologien rund um die Elektrolyse sowie die Injektion von Wasserstoff in die Gaspipeline interessant. Zusätzlich könnten aber auch smarte Power-to-X-Lösungen und potenzielle Eisenbahnprojekte und -technologien mit Brennstoffzellenantrieb nachgefragt sein.

Weitere Informationen zum kalifornischen Wasserstoffmarkt finden Sie hier.

Australien: Energieinfrastruktur und Wasserstoffspeichertechnologien

Für mehrere Generationen war der Elektrizitätsmarkt in Australien abhängig von Stein- und Braunkohle, nur Wasserkraft und in der jüngsten Zeit Gas leisteten einen kleinen Beitrag. Dank der Herausforderungen des Klima- und gleichzeitig technologischen Wandels stellen heute erneuerbare Energiequellen jedoch eine auf wirtschaftlicher Basis attraktive Alternative dar. Ältere kohlebefeuerte Kraftwerke werden abgeschaltet oder nähern sich dem Ende ihrer Lebensdauer. Gleichzeitig verändern die sinkenden Kosten für Photovoltaik und die Speicherung von Energie in Verbindung mit staatlichen Subventionen die Art und Weise, wie der Strom vor Ort erzeugt und genutzt wird.

Im Jahr 2019 verfügte jeder fünfte australische Haushalt über eine Solaranlage auf dem Dach, und 24 Prozent des Stroms kamen aus erneuerbaren Quellen. Hierdurch wird nicht nur der Neu- und Ausbau bestehender Übertragungsleitungen, sondern auch die Speicherung von Strom aus Solar-, Wind- und Wasserkraftwerken wichtiger.

Eine große Chance sieht Australien speziell im Bereich Wasserstoff. Hierzu brachte das Council of Australian Governments (COAG) zusammen mit Australiens „Chief Scientist“ Dr. Alan Finkel AO im August 2018 das „Proposal for a national hydrogen strategy“ heraus, in dem Wasserstoff im Jahr 2030 als Exportgut für Australien auf einen Wert von A$ 1,7 Mrd. geschätzt wird. Die COAG bildete daraufhin im Dezember 2018 die „Hydrogen Working Group“, um eine nationale Strategie zu entwickeln, wie Australien bis 2030 zu einem globalen Hauptakteur im Bereich Wasserstoff wird. Die National Hydrogen Strategy wurde 2019 vorgestellt und beinhaltet folgende Projekte: die Entwicklung einer Wasserstoffexportindustrie, die Nutzung von Wasserstoff zur Unterstützung des Stromnetzes und die Nutzung von Hydrogen im Verkehr und Transportbereich.

Sydney, Australien

Sydney, Australien

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Australien befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstand im Bereich Wasserstoff und will die Wasserstoffstrategie in zwei Teilen umsetzen. Bis 2025 will das Land Pilot-, Versuchs- und Demonstrationsprojekte aufbauen, vorantreiben und sich vor allem auf Hydrogen Hubs konzentrieren, um somit zu signalisieren, dass sich Wasserstoffmärkte im großen Maßstab entwickeln. Ein weiterer Fokus liegt darauf, robuste und nachhaltige Lieferketten im inländischen Markt, vor allem aber für den Export zu entwickeln. Ab 2025 will Australien in erster Linie den Fokus auf die Skalierung der Projekte legen und die inländische Infrastruktur als auch die Exportindustrie weiter stärken. Die Infrastruktur der Versorgungskette umfasst Stromleitungen, Pipelines, Speichertanks, Tankstellen, Häfen, Straßen und Eisenbahnlinien sowie alle anderen für die Wasserstoffversorgung erforderlichen Einrichtungen.

Chance für deutsche KMU: Der Wasserstoffsektor steckt noch in den Kinderschuhen. Obwohl Schlüsseltechnologien wie Elektrolyseure verfügbar sind, sind diese noch nicht effizient genug bzw. können aufgrund der Projektgröße nicht auf Skaleneffekte zurückgreifen. Es besteht die Notwendigkeit, lokale Fähigkeiten, Lieferketten und Lieferkapazitäten für grüne Wasserstoffprojekte zu entwickeln. Aufgrund des breit gefächerten Spektrums im Wasserstoffsektor gibt es Chancen für deutsche Unternehmen im Speziellen aus den Bereichen Projektentwicklung, Technologieanbieter, Ingenieurdienstleistungen sowie Zulieferer, die in den Feldern Wasserstoff tätig sind.

Darüber hinaus muss vor allem generell die Infrastruktur für die Wasserstofferzeugung entwickelt werden, damit die verschiedenen Verbraucher mit Wasserstoff versorgt werden können. Hierzu gehören neben Elektrolyseuren auch die Speicherung und der Transport von Wasserstoff zum Endverbraucher.

Weitere Informationen zum australischen Wasserstoffmarkt finden Sie hier. Im März 2021 findet außerdem eine Geschäftsreise der Exportiniative Energie nach Australien zum Thema Energieinfrastruktur und Wasserstoffspeichertechnologien statt.

Oman: Photovoltaik- und Windenergie inklusive Wasserstoffwirtschaft

Im Zuge seiner Diversifizierungsbemühungen plant Oman seine (steigende) Stromnachfrage im Jahr 2030 zu 30 Prozent mit erneuerbaren Energien zu decken. Die Ziele wurden durch ambitionierte Investitionsplänen und der kürzlichen Eingliederung der Zuständigkeit für den Strom- und damit auch den Erneuerbare-Energien- und Effizienz-Sektor in das Öl- und Gasministerium konkretisiert.

Große Potenziale sieht Oman bei der Entwicklung einer kohlenstoffarmen und nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft. Derzeit wird das Potenzial zur Einführung von grünem Wasserstoff als Brennstoff und Rohstoff für die Hafenindustrie analysiert. Als ideale Alternative zu fossilen Brennstoffen soll der mit erneuerbarem Strom produzierte Wasserstoff für die lokale Versorgung, Speicherung und den Export erzeugt werden. Er soll als Kraftstoff für Elektromobilität dienen oder als Rohstoff in industriellen und (petro-) chemischen Prozessen verwendet werden. Die Vision ist, dass der Oman in zehn bis 15 Jahren weltweit grünen Wasserstoff exportiert.

Die Einführung des Cost Reflective Tariffs (CRT) im Januar 2017 für etwa 10.000 Großkunden aus Regierung, Privatwirtschaft und Industrie, die mehr als 150.000 kWh pro Jahr verbrauchen und die folglich deutlich höhere Stromrechnungen haben, bietet die Möglichkeit für deutsche Projektentwickler und Unternehmen, preislich interessante Off-Grid-Insellösungen unter Nutzung von Solarenergietechnologien anzubieten. Mittlere- und kleine PV-Anlagen sind geplant, um insbesondere Industriehäfen und -zonen zu versorgen.

Da der Kostendruck für die Privatwirtschaft und Industrie in Folge der momentanen ölpreisbedingten Konjunkturschwäche groß sein dürfte, ist die Bereitschaft in erneuerbare Energien zu investieren mit dem Ziel, eigene, laufende Kosten dauerhaft zu senken, nun deutlich gewachsen. Derzeit laufen bereits fünf Initiativen zur Förderung der solaren Photovoltaik-Stromerzeugung im Sohar Port und Freezone, um die Abhängigkeit des Hubs von Erdgas für die Energieerzeugung zu verringern.

Maskat, Oman

Maskat, Oman

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Ebenso ehrgeizig ist das Bestreben, grünen Wasserstoff als CO2-freie Alternative zu Erdgas für die Nutzung als Brennstoff und Rohstoff für die im Hafen tätigen Industrien einzuführen. Erdgas soll so für wertschöpfende industrielle Prozesse freigesetzt werden. Zunächst soll ein kleiner Solarpark in Kürze in Betrieb genommen werden, der den Hauptsitz des Hafens in Sohar versorgen soll. Der Hafen will industriellen Endverbrauchern und anderen Mietern kostengünstigen Solarstrom auf PV-Basis anbieten.

Zu diesem Zweck arbeitet Sohar Port mit seinem strategischen Partner, dem Rotterdamer Hafen, und der Hydrogen Group, einem Zusammenschluss von Forschungsinstituten weltweit, zusammen, um kostengünstige Lösungen für die Einführung von grünem Wasserstoff als neue Alternative zu natürlichem Wasserstoff zu finden. Ein Auftrag für die Bauarbeiten im Zusammenhang mit dem Anbau von rund 200 Hektar erstklassiger Wasserfläche am südlichen Ende des Hafens soll laut Aussage des Hafens von Sohar Anfang nächsten Jahres vergeben werden. Da deutsches Know-how und deutsche Qualität generell in Oman sehr gefragt sind, bietet dieses Projekt und sicher auch folgende gute Chancen für deutsche KMU.

Weitere Informationen zum omanischen Wasserstoffmarkt finden Sie hier. Im Januar 2021 findet außerdem eine Geschäftsreise der Exportinitiative Energie nach Oman zum Thema Photovoltaik- und Windenergie inklusive grüner Wasserstoffwirtschaft statt.

Uruguay: Netzintegration/Smart Grid und Energiespeicher

Das Land gehört schon heute weltweit zu den Vorreitern im Bereich der erneuerbaren Energien. Der Fokus auf saubere Energien und eine gröβere Energieeffizienz spiegeln sich derzeit auch in den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen wider. Gleichzeitig wird die Diversifizierung der Energiematrix durch diverse Fördermaßnahmen und Projekte vorangetrieben, der Sektor der Elektromobilität ist zudem im Vergleich zur Region stark entwickelt und wird von der Regierung intensiv gefördert.

Wasserstofftechnologien sind in Uruguay als Speichermedium noch nicht auf dem Markt vertreten. Es besteht jedoch beim staatlichen Unternehmen ANCAP sowie seitens des MIEM Interesse daran, Potenziale von Wasserstofftechnologien sowohl als Energiespeicher als auch als komplementäres Medium für den Verkehr zu evaluieren.

Anfang 2019 begleitete die AHK Uruguay dazu eine Delegation u.a. aus Vertretern des Ministeriums für Industrie, Energie und Bergbau nach Deutschland auf die Hannover Messe. Zentrales Interesse des Messebesuchs und technischer Exkursionen (u.a. zu einer Wasserstofftankstelle) bestand darin, Entwicklungen der H2-Technologien kennenzulernen und deren Chancen für den Standort Uruguay zu bewerten. Ebenso erläuterte die Präsidentin von ANCAP, Marta Jara, im Rahmen einer Konferenz auf der Messe die Möglichkeiten Uruguays für Pilotprojekte im Bereich Wasserstoff für den Energiewandel und stellte die Investitionsmöglichkeiten von ANCAP dar.

Insbesondere die ergänzende Funktion, die Wasserstoff in der Thematik Elektromobilität einnehmen könnte, wird von den beteiligten Akteuren als Anwendungsfeld bewertet. So könnten in Zukunft Wasserstofffahrzeuge für Lasten und Langstreckenfahrten eingesetzt werden, während Elektrofahrzeuge, deren Infrastruktur wie oben ausgeführt stetig erweitert wird, auf kürzeren Strecken zum Einsatz kommen. Gestärkt durch die politische Rückendeckung bestehen bereits erste Machbarkeitsstudien, die durch das MIEM durchgeführt werden.

Uruguay

Montevideo, Uruguay

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Für Uruguay bleiben laut Perspektive des MIEM zwei Richtungen, in die sich in Zukunft die Produktion von Wasserstoff entwickeln kann: die Herstellung mit Hilfe von Strom und Wärme oder die Herstellung mit Hilfe von organischen Verbindungen, wie bspw. aus Biomasse. Die erste Variante gestaltet sich im Vergleich zur Produktion mit Biomasse noch relativ kostenintensiv (mit ca. 4,5 USD pro Kilogramm H2 im Vergleich zu 2,5 USD pro Kilogramm H2), kann jedoch ebenfalls zur Steuerung der Nachfrage eingesetzt werden. Für die mittelfristige Zukunft plant das MIEM Pilotprojekte, um insbesondere die Eignung der H2-Produktion auf Basis von Biomasse und elektrischem Strom für Uruguay zu prüfen.

Für die kommenden Jahre ist zudem ein Pilotprojekt im Bereich Wasserstofftechnologien für den Verkehr vorgesehen. Nach Angaben des MIEMsollen eine Wasserkraftstofftankstelle testweise errichtet und ergänzend dazu fünf Lastwagen sowie Omnibusse angeschafft werden, um ihre Tauglichkeit auf Lastfahrten und Langstrecken zu testen und sie als ergänzendes Element für den Wandel der Verkehrsmatrix in Uruguay zu erproben.

Wasserstoff wird in der nahen Zukunft zugetraut, fossile Treibstoffe im Verkehr auch auf langen Distanzen zu ersetzen. Auch wenn man Speichertechnologien ausnutzt, werden langfristig allerdings neue Erneuerbare-Energien-Anlagen erneuerbarer Energien notwendig sein, um Wasserstoff dauerhaft zu produzieren und damit einen wachsenden Markt zu befriedigen – dies bietet Potenzial für Technologielösungen „Made in Germany“.

Weitere Informationen zum uruguayischen Wasserstoffmarkt finden Sie hier.

Frankreich: Energieeffizienz im Transportwesen

In Europa gibt es ebenfalls einen wichtigen Exportmarkt für Wasserstoff: Frankreich. Das Transportwesen in Frankreich ist verantwortlich für 39 Prozent der landesweiten CO2-Emissionen, sodass die Energieeffizienz in diesem Bereich für die erfolgreiche Gestaltung der Energiewende und das Erreichen der Klimaziele von herausragender Bedeutung ist. Hier spielt Wasserstoff eine entscheidende Rolle.

Der Einsatz in Fahrzeugen und der Aufbau der zugehörigen Infrastruktur sind in Frankreich und auch international noch sehr begrenzt. Die Form der Wasserstoffnutzung im Verkehr, die sich derzeit am stärksten entwickelt, sind Elektrofahrzeuge, deren Motoren durch eine Brennstoffzelle mit Strom versorgt werden. Der Wasserstoff-Entwicklungsplan für die Energiewende (Plan de déploiement de l’hydrogène pour la transition énergétique) weist auch auf hybride Wasserstoff-Elektrofahrzeuge hin, welche die Möglichkeit der elektrischen Ladung an der Steckdose mit der Wasserstoffversorgung an Tankstellen kombinieren. Wasserstoff bietet ebenso wie Erdgas Vorteile für intensive Nutzungsformen, die eine hohe Reichweite und eine geringe Ladezeit erfordern. Deshalb kommen unter anderem schwere Fahrzeuge infrage, und zwar sowohl auf der Straße und Schiene als auch in der Binnenschiff-, See- und Luftfahrt. Für diese Fahrzeuge sind Gewicht und Größe der Batterien nachteilig. Erdgas bietet bereits Lösungen, ermöglicht aber keine vollständig emissionsfreie Mobilität. Wasserstoff gleicht diese Schwächen aus. Ebenso können leichtere Fahrzeuge, die intensiv genutzt werden (zum Beispiel Taxis), vom Wasserstoff profitieren. Im Schienenverkehr könnten wasserstoffbetriebene Motoren die Elektromobilität zu niedrigeren Kosten ermöglichen, weil so die Elektrifizierung kleinerer Strecken ausbleiben kann.

Paris, Frankreich

Paris, Frankreich

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Gegenüber Biomethan bietet Wasserstoff insbesondere bezüglich der Reduzierung von Schadstoffemissionen einen Vorteil, denn bei Bioerdgas kommt ein Verbrennungsmotor zum Einsatz, der Stickoxide und Kohlenmonoxid emittiert. Der Wasserstoff- und Brennstoffzellenverband AFHYPAC und verschiedene Unternehmen der Branche haben in Zusammenarbeit mit McKinsey eine prospektive Studie erstellt, die das Ziel benennt, die Wasserstoffproduktion rasch zu dekarbonisieren.

Die neu aufkommende Nachfrage soll hauptsächlich durch Wasserstoff aus kohlenstofffreien und kosteneffizienten Produktionsverfahren gedeckt werden. Ebenso soll die bestehende Produktion schrittweise auf saubere Methoden umgestellt werden. Bis 2030 wird angestrebt, 90 Prozent des Wasserstoffs für Verkehr, Gebäude und Industrie aus kohlenstofffreien Quellen zu gewinnen. Bis 2050 könnte etwa jeder vierte Bus und jeder fünfte LKW mit Wasserstoff betrieben werden. In Bezug auf PKWs, die privat genutzt werden, könnte der Anteil bis 2050 einen Anteil bei 20 Prozent liegen.

Der ehemalige Umweltminister Nicolas Hulot (MTES) hat im Juni 2018 den bereits zitierten Wasserstoff-Entwicklungsplan für die Energiewende präsentiert, der über einen Zeitraum von fünf Jahren eine jährliche Unterstützung in Höhe von 100 Millionen Euro für die Wasserstofferzeugung, die Speicherung und die Anwendung im Verkehrssektor bereitstellen soll. Dabei steht die Dekarbonisierung im Fokus.

Deutsche Marktakteure, die Lösungen für den Ausbau der Infrastruktur anbieten, können geeignete Fördermechanismen beanspruchen und haben außerdem gute Chancen, in europäischen Märkten wie Frankreich aktiv zu werden, sofern sie die Kompatibilität ihrer Technologien mit der bestehenden Infrastruktur nachweisen können

Weitere Informationen zum französischen Wasserstoffmarkt finden Sie hier.

(Carolin Wilewski)