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Konzeption eines Vergütungsmodells zur Stromeinspeisung bei Eigenverbrauchanlagen in Mali
Einleitung
Viele Industrieunternehmen in Mali haben großes Interesse an PV-Eigenverbrauchsanlagen. Spanennde Einblicke gibt Abdoulaye Djibril Diallo vom nationalen Stromversorger Electricité du Mali (EDM) im Interview.
Wie kann „Überschussstrom“ genutzt werden, wenn an Wochenenden nicht produziert wird? Wie sieht eine angemessene Vergütung für eine mögliche Netzeinspeisung dazu aus? Diesen und weiteren Fragen ging das Projektentwicklungsprogramm (PEP) der Exportinitiative Energie gemeinsam mit betroffenen Akteuren in Mali im Rahmen eines Online Workshops nach. Ziel war es, für das Thema zu sensibilisieren und Umsetzungsmöglichkeiten zu definieren.
Selbst produzierten Strom nutzen und Überschüsse weiterverkaufen – diese Themen standen am 27. Januar 2021 im Mittelpunkt einer Online-Veranstaltung des PEP in Mali. Der Bedarf, sich diesen drängenden Themen anzunehmen, basiert auf den Erfahrungen des PEP bei der Projektentwicklung im Bereich PV-Eigenverbrauchsanlagen. Klare Rahmenbedingungen erhöhen bei der Umsetzung von PV-Projekten die (finanzielle) Attraktivität dieses Marktsegmentes. Hieraus ergeben sich besonders auch für deutsche Unternehmen interessante Geschäftsopportunitäten.
In Mali lohnt sich der Verkauf von überschüssigem Strom für die Erzeuger auch dann, wenn die Vergütung vergleichsweise niedrig ist. Hohe Preise für Strom aus dem Netz und im Gegensatz dazu sinkende Kosten für erneuerbare Energien schaffen günstige Voraussetzungen für eine Rendite. Zeitgleich profitiert der nationale Stromversorger Electricité du Mali (EDM) von günstig eingekauftem Strom.
Damit dieses System auch mit Erfolg angewandt werden kann, ist zunächst die Politik gefordert. Sie muss die erforderlichen Strukturen schaffen. So müssen beispielsweise technische Voraussetzungen für Net Metering definiert, Obergrenzen für die Einspeisung sowie Art und Höhe der Vergütung festgelegt werden.
Dem nationalen Stromversorger EDM kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Im Interview berichtet Abdoulaye Djibril Diallo, seit 2021 Berater des Geschäftsführers von EDM-SA, über seine Eindrücke des Workshops.
Wieso war der Austausch zum Thema Entwicklung eines Vergütungsmodell für Überschussstrom gerade jetzt so wichtig?
Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, da das Thema in Mali hochaktuell ist. Wir erhalten immer mehr Anfragen von Kunden, die erwägen oder bereits Investitionen getätigt haben, um ihren Stromverbrauch ganz oder teilweise selbst zu decken. Gerne wollen die Kunden ihren überschüssigen Strom an das EDM-Netz verkaufen. Von nun an sprechen wir von dem Begriff "Prosumer", eine Kombination aus den englischen Begriffen Consumer und Producer.
Solarenergie ist die große Chance für Mali angesichts des enormen Potenzials der Ressource selbst und der ständig sinkenden Kosten für PV-Anlagen. Vor allem für den Einsatz in Verbindung mit Wasserpumpen und für die ländliche Elektrifizierung eignet sich Solar-PV hervorragend. Heute rüsten sich immer mehr Menschen mit Solar-PV-Systemen aus - auch für andere Anwendungen, wie z.B. in den Bereichen Heim- und Industrie- und Gewerbebedarf (C&I).
Was sind die aktuellen nationalen Vorschriften und wo sehen Sie Herausforderungen?
Momentan können Verbraucher ihren Strom zwar selbst produzieren, aber ihren produzierten Strom nicht ins Netz einspeisen, auch wenn sie an dieses angeschlossen sind. Aber wir befinden uns derzeit in einer neuen Dynamik, natürlich wollen die an das Netz angeschlossenen Eigenproduzenten ihren Überschuss zunehmend an das nationale Netz von EDM-SA weiterverkaufen.
Auf der einen Seite ist also eine Umsetzung auf der technischen Ebene erforderlich, um mehr Prosumer an das Netz anzuschließen. Auf der anderen Seite müssen neue Regelungen geschaffen werden für für Verkaufsbedingungen bei überschüssigem Strom - und zwar in einer für beide Parteien (EDM und Kunden) transparenten und gewinnbringenden Weise. Nur mit klar definierten Netzzugangsregeln und Tarifen kann ein Gleichgewicht am Markt entstehen. Und das wiederum wird ein Anreiz sein für private Investitionen in dem Sektor.
Wie schätzen Sie die Aussichten in diesem Bereich ein?
Die nationale Elektrifizierungsrate liegt in Mali derzeit bei 53 %. Das bedeutet Fortschritt! Solarenergie ist unter diesem Gesichtspunkt sehr interessant, weil es auf natürliche Weise über das gesamte Staatsgebiet verteilt ist. Es ist eine gute Möglichkeit, den Zugang der Bevölkerung zu Elektrizität zu erleichtern und gleichzeitig neue, vor allem private Investitionen anzuziehen.
Wir hoffen, dass die notwendigen regulatorischen Reformen in diesem Sektor noch im Jahr 2021 durchgeführt werden. Es läuft momentan eine Studie zum Grid Code, die von der EDM-SA eingeleitet wurde. Außerdem gibt es Unterstützung von ECREE, die derzeit eine Studie zur Aktualisierung der Vorschriften zur Eigenerzeugung und zum Verkauf von Überschüssen vorbereitet. Dies wird eine gute Basis schaffen, um eine harmonische Entwicklung des Sektors in Mali zur Freude aller Beteiligten zu ermöglichen.
Vielen Dank für das Gespräch! Haben Sie ein letztes Wort?
Gerne würde ich der Exportinitiative Energie und speziell dem PEP für ihre Initiative danken, dieses Austauschtreffen zu diesem für die Entwicklung des Sektors sehr wichtigen Thema zu organisieren. Es ist gelungen, alle betroffenen Akteure an einen Tisch zu bringen, um dieses Problem zu diskutieren und geeignete Lösungen zu finden.
Unterstützung der Exportinitiative Energie
Das Projektentwicklungsprogramm der Exportinitiative Energie engagiert sich seit 2014 in Mali. Hierzu zählen die Erstellung von Sektoranalysen, Bewertungen von Erneuerbare-Energien-Projekten, die Zusammenarbeit mit dem Industrieverband und thematische Workshops. Erste Referenzprojekte wurden Ende 2020 z.B. mit einem 100 kWp PV-System für eine Wäscherei unterschrieben.