Eine Frau erklärt mehreren Zuschauern das Kontrollzentrum des Smart Energy Campus

© Juan Fernández

Kolumbien und insbesondere Medellín haben sich in den vergangenen Jahren zu einem Innovationszentrum der lateinamerikanischen Energiebranche entwickelt. Nach einer Energie-Geschäftsreise nach Bogotá im Jahr 2022 knüpfte Venios erste Kontakte, die sich 2023 bei weiteren Besuchen vertieften. Die Region Antioquia gilt als technologischer Vorreiter. Mit starken Energieunternehmen, forschungsstarken Universitäten und einem offenen Innovationsökosystem bietet sie beste Bedingungen für Pilotprojekte. So entstand die Idee, eine digitale Referenzanlage auf dem Campus der Universidad Pontificia Bolivariana (UPB) umzusetzen, wo Energie- und Nachhaltigkeitsforschung eng verzahnt sind.

Das deutsche Technologieunternehmen Venios GmbH hat sich bewusst für die Teilnahme RES-Programm entschieden – nicht zuletzt wegen der hohen Sichtbarkeit, die das Programm bietet. „Wir sehen klar die Vorteile und Möglichkeiten, die es uns für den Markteintritt eröffnet“, betont das Unternehmen. Besonders wertvoll sei die finanzielle Unterstützung für Marketing- und PR-Maßnahmen. Sie schaffe Aufmerksamkeit, Vertrauen und erleichtere den Zugang zu neuen Zielmärkten.

Ein Reallabor für die Energiewende

Im Zentrum des Projekts steht die Energieplattform Venios.NET. Sie bildet das Campusnetz mit Photovoltaikanlagen, Ladepunkten, Speichern und Verbrauchern als digitalen Zwilling ab und verarbeitet alle relevanten Mess- und Betriebsdaten in Echtzeit. Dadurch wird sichtbar, wie sich Energieflüsse im Nieder- und Mittelspannungsnetz entwickeln und wo kritische Zustände entstehen können.

Der sogenannte EcoCampus der Universidad Pontificia Bolivariana fungiert dabei als Reallabor, in dem Wissenschaft und Praxis Hand in Hand arbeiten. Er gilt bereits heute als Leuchtturmprojekt für intelligente Verteilnetze in Kolumbien und Lateinamerika und ist fest in das Econova-Netzwerk des Energiekonzerns Ecopetrol eingebunden. Dort entstehen offene Innovationsplattformen, auf denen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen gemeinsam an Lösungen zur Dekarbonisierung und Energieeffizienz arbeiten.

Herausforderungen zwischen Daten und Denkweisen

Der technische Aufbau der Anlage war nur ein Teil der Aufgabe. Als größte Hürde erwies sich zunächst die Kundengewinnung im Zielmarkt – ein Prozess, der in Lateinamerika mehr Zeit und Vertrauen erfordert. Sobald die Umsetzung startete, trat eine weitere Herausforderung in den Vordergrund: das Datenmanagement. Die zuverlässige Übermittlung und Aufbereitung von Echtzeitdaten ist für digitale Netzlösungen essenziell, jedoch in internationalen Projekten oft komplex.

Technologie, die exakt zum Markt passt

Dass das Projekt in Antioquia besonders gut funktioniert, liegt auch an der vorhandenen Infrastruktur. In Medellín sind bereits großflächig Smart Meter installiert, deren Daten sich ideal in die Plattform integrieren lassen. Venios.NET stellt sie in Echtzeit auf der Energieplattform bereit und ermöglicht so eine detaillierte Analyse des Netzbetriebs. Ein weiterer Vorteil: Die Software ist vollständig in spanischer Sprache verfügbar und damit unmittelbar nutzbar für die Teams vor Ort.

Große Resonanz in der Branche

Die Referenzanlage fand bereits bei der Eröffnung und auf der anschließenden Fachmesse FISE große Aufmerksamkeit. Vertreter wichtiger Akteure wie XM, ISA, Grupo EPM oder Grupo Energía Bogotá nutzten die Gelegenheit, sich die Lösung im Realbetrieb erläutern zu lassen. Auch die kooperierenden Institutionen vor Ort – darunter das Smart Energy Center der UPB, CIDET und Red Econova – zeigten sich überzeugt vom Potenzial der Technologie. „Die Reaktionen waren durchweg positiv – sowohl von Partnern als auch von Interessenten“, sagt Venios.

Gruppenfoto mit zehn Personen

© Juan Fernández

Was bleibt und wie es weitergeht

Aus dem Projekt nimmt das Unternehmen vor allem eines mit: die Bedeutung langfristiger Beziehungen, lokaler Präsenz und des richtigen Timings. Die Chancen im Markt seien groß, doch sie erfordern Geduld und ein gutes Gespür für den Moment.

In den kommenden Monaten plant Venios, das Smart Energy Center als Showroom für lokale und regionale Netzbetreiber zu nutzen und Gespräche mit potenziellen Vertriebs- und Entwicklungspartnern zu intensivieren. Für Februar 2026 sind zudem Treffen mit dem kolumbianischen Energieministerium geplant, unter anderem zum Thema Monitoring von Energiegemeinschaften.

Mit dem RES-Programm unterstützt die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) deutsche Unternehmen der Erneuerbare-Energien- sowie Energieeffizienz-Branche bei der Erschließung neuer Absatzmärkte. Im Rahmen des Programms werden Referenzanlagen in einem Zielmarkt errichtet und mit Unterstützung der Deutschen Energie-Agentur (dena) öffentlichkeits- und werbewirksam vermarktet. Durch Informationsvermittlung sowie Schulungsaktivitäten wird die Nachhaltigkeit des Markteintritts gefördert und die Qualität klimafreundlicher Technologien aus Deutschland demonstriert.