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Solare Kühlungssysteme gegen Ernteverluste in Kenia
Einleitung
In Kenia helfen netzunabhängige Kühlräume Kleinbauern, Obst und Gemüse länger frisch zu halten, und eröffnen neue Geschäftsmodelle für den lokalen Handel. Zwei Pilotprojekte zeigen, wie das funktionieren kann.
In Kenia leben über 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung direkt von der Landwirtschaft. Die meisten Erzeugnisse stammen von Kleinbauern, die mit traditionellen Methoden wirtschaften. In den tropischen Klimazonen führen hohe Temperaturen jedoch zu erheblichen Mengen- und Qualitätsverlusten – besonders bei empfindlichen Produkten wie Obst und Gemüse. Diese verderben oft kurz nach der Ernte, noch bevor sie den Endkunden erreichen. Kritisch ist dabei, dass viele Produkte auf lokalen Märkten ohne Zugang zu Kühlketten gehandelt werden.
Klimafreundlich kühlen dank Solarenergie
Um diese Verluste zu minimieren, hat die Phaesun GmbH eine netzunabhängige Kühltechnologie entwickelt: die SelfChill-Kühlräume. Sie ermöglichen die Lagerung von bis zu 500 kg Obst und Gemüse bei konstant 4 °C – ganz ohne Stromanschluss. Die Innovation liegt in der Nutzung von Solarenergie: Überschüssiger Strom wird als thermische Energie in einem Eisspeicher gespeichert, sodass die Kühlung auch bei Dunkelheit erhalten bleibt. Ergänzt wird das System durch kleine Batterien, die den Betrieb der Kühlaggregate über den Sonnenuntergang hinaus verlängern. Die Kühlräume werden mit lokal verfügbaren Materialien gebaut und mit SelfChill-Kernkomponenten ausgestattet.
Erfolgreiche Pilotprojekte in Mbita und Homabay
In Zusammenarbeit mit dem kenianischen Sozialunternehmen WeHub Victoria Limited (WeTu) wurden zwei SelfChill-Kühlräume an Marktplätzen am Viktoriasee realisiert – in Mbita (seit Januar 2024 in Betrieb) und in Homabay (seit Februar 2025). Beide Anlagen funktionieren nach dem Modell Cooling-as-a-Service (CaaS). Marktverkäufer können ihre leicht verderbliche Ware – etwa Blattgemüse – gegen eine geringe Gebühr zwischenlagern und so frisch halten.
Wachsender Nutzen für Händler und Betreiber
Die Erfahrungen in Mbita zeigen ein starkes Erfolgspotenzial. Nach anfänglicher Zurückhaltung stieg die Auslastung durch gezielte Aufklärung von WeTu kontinuierlich. Auch das Nutzungsverhalten änderte sich. Händler begannen, größere Mengen einzukaufen, im Kühlraum zu lagern und über mehrere Tage verteilt zu verkaufen. Dieses Vorgehen erwies sich als wirtschaftlich vorteilhaft, sowohl für die Händler als auch für die Betreiber. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells für Homabay ein, wo gezielt Großhändler angesprochen werden.
Unterstützung durch das RES-Programm
Als Durchführungspartner der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) begleitete die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) im Rahmen des RES-Programms das deutsche Partnerunternehmen dabei, mittels vielfältiger Marketingmaßnahmen und Vernetzungsaktivitäten, die Vorteile ihrer innovativen Technologie in Kenia unter der Marke SelfChill® bekannt zu machen. Dabei wurden technologiespezifische und zielmarktgerechte Marketingmaterialien erstellt, die Webpräsenz ergänzt, Schulungen durchgeführt sowie eine umfangreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geplant und umgesetzt. Das RES-Programm förderte zudem die Teilnahme und Vorstellung der Technologie an den relevantesten Veranstaltungen, Konferenzen und Messen für den Zielmarkt und darüber hinaus.
Die feierliche Einweihung der Referenzanlagen fand am 14. und 15. April in Kisumu statt. Im Rahmen einer zweitägigen Konferenz besuchten die Teilnehmenden beide Anlagen während einer Exkursion.An der Veranstaltung nahmen Herr Alexander Fierley, Stellvertretender Botschafter in Kenia, Vertreter des BMWK, der dena, der AHK und GIZ sowie rund 30 weitere lokale Stakeholder aus dem Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor teil.
Mit dem RES-Programm unterstützt die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) insbesondere kleine und mittelständische deutsche Unternehmen der Erneuerbare-Energien sowie Energieeffizienz-Branche mit innovativen Lösungen bei der Erschließung neuer Absatzmärkte. Im Rahmen des Programms werden Referenzanlagen in einem Zielmarkt errichtet und mit Unterstützung der Deutschen Energie-Agentur GmbH öffentlichkeits- und werbewirksam vermarktet. Durch Informationsvermittlung sowie Schulungsaktivitäten soll die Nachhaltigkeit des Markteintritts gefördert und die Qualität klimafreundlicher Technologien aus Deutschland demonstriert werden.