Informationsreise Vietnam - Gruppenfoto der Delegation

© Geschäftsstelle der Exportinitiative Energie

Vietnam gilt als einer der vielversprechendsten Märkte für erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff in Südostasien. Mit rund 8,9 Gigawatt installierter Solar- und 4 Gigawatt Windkraftkapazität verfügt das Land schon heute über eine solide Basis für eine grüne Energiezukunft. Studien im Auftrag des vietnamesischen Industrieministeriums beziffern das technische Potenzial auf bis zu 40 Millionen Tonnen Wasserstoff jährlich – ein enormes Reservoir für den künftigen Export.

Besonders attraktiv ist Vietnams geografische Lage mit direktem Zugang zu wichtigen Absatzmärkten wie Japan und Südkorea, die in den kommenden Jahrzehnten zu den größten Wasserstoffimporteuren Asiens zählen werden. Gleichzeitig schafft die vietnamesische Regierung durch den Power Development Plan VIII und eine nationale Wasserstoffstrategie die regulatorischen Voraussetzungen, um den Markthochlauf voranzutreiben.

Vietnam verfügt über sehr gute Voraussetzungen für die Entwicklung einer Wasserstoffwirtschaft, vor allem dank seines großen Potenzials an erneuerbaren Energien. Die größte Herausforderung liegt derzeit noch in der fehlenden Infrastruktur und in der Schaffung klarer regulatorischer Rahmenbedingungen, erklärte Le Thi Hai Duong von der AHK Vietnam, die die Delegation in Deutschland willkommen hieß.

Fachkonferenz in Frankfurt: Wissenstransfer im Mittelpunkt

Den Auftakt der Reise bildete eine Fachkonferenz in Frankfurt am Main, bei der Expertinnen und Experten aus Forschung und Wirtschaft Ihre Perspektiven auf die Zukunft von Wasserstofftechnologien vorstellten.

Markus Bissel, technischer Berater bei der GIZ und Vorsitz der Deutsch-Vietnamesischen Energiepartnerschaft, gab einen Überblick über laufende Initiativen in Vietnam wie den „Green Hydrogen Hub“ in Hanoi. Dabei betonte er die Bedeutung von Wissenstransfer und Capacity Building als Voraussetzung für Investitionen in den vietnamesischen Markt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Standardisierung von Wasserstofftechnologien. Praseeth Prabhakaran vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zeigte, wie Qualitätssicherung und Zertifizierung entlang der Wertschöpfungskette gestaltet werden können – ein Thema, das auf großes Interesse stieß.

David Coleman, CEO von Hynes GmbH, stellte die Perspektive von grünem Wasserstoff im Bundesland Hessen vor und betonte, die Notwendigkeit internationaler Partnerschaften: Deutschland wird langfristig auf Wasserstoffimporte angewiesen sein – Kooperationen mit Ländern wie Vietnam sind daher zentral für eine erfolgreiche Energiewende.

Vom Labor bis zur Anwendung: Deutsche Technologie zum Anfassen

In den darauffolgenden Tagen führte die Reise die Gruppe zu zahlreichen Technologiestandorten in Hessen und Nordrhein-Westphalen. Bei Archigas in Rüsselsheim erlebten die Teilnehmenden, wie präzise Gasanalysesysteme die Sicherheit und Effizienz von Wasserstoffprozessen gewährleisten. Besonders angetan zeigten sie sich von der Innovationskraft des mittelständischen Unternehmens, das den weltweit schnellsten Gasanalysator entwickelt hat.

Informationsreise Vietnam - Gruppenfoto der Delegation bei Thyssenkrupp

© Geschäftsstelle der Exportinitiative Energie

Beim Besuch des thyssenkrupp-Projekts Carbon2Chem in Duisburg erfuhr die Delegation, wie sich industrielle Emissionen in wertvolle Chemikalien umwandeln lassen und Dekarbonisierung und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen können. Anschließend stellten thyssenkrupp nucera und thyssenkrupp Uhde ihre Arbeiten im Bereich Wasserstoff und Power-to-X vor. Beim Rundgang über das Gelände erhielten die Gäste einen Ausblick auf ein geplantes Pilotprojekt für nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) aus grünem Methanol.

Auch das Forschungszentrum Jülich öffnete seine Türen und gab Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Produktion über Speicherung bis hin zur Integration in Energiesysteme.

Informationsreise Vietnam - Gruppenfoto der Delegation bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal

© Geschäftsstelle der Exportinitiative Energie

Am folgenden Tag ging es nach Wuppertal, wo die Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal (AWG) zeigte, wie aus Restmüll Energie und sogar Wasserstoff gewonnen wird. Das Leuchtturmprojekt, das Abwärme und Elektrolyse koppelt, gilt als Paradebeispiel für Sektorenkopplung auf kommunaler und beeindruckt durch seine Verbindung von Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger Mobilität.

Zum Abschluss besuchte die Delegation WILO SE in Dortmund und Neuman & Esser bei Aachen – zwei Unternehmen, die mit innovativen Lösungen für Wasserstoffproduktion, Kompression und Infrastruktur industrielle Maßstäbe setzen.

Informationsreise Vietnam - Gruppenfoto der Delegation bei WILO

© Geschäftsstelle der Exportinitiative Energie

Stimmen aus Vietnam: Interesse an deutscher Technologie

Ich habe auf dieser Reise viele wertvolle Einblicke gewonnen, sagte Nguyen Thanh Nhon, Generaldirektor bei CNM International Co., Ltd. Besonders beeindruckt habe ihn, dass in Deutschland an vielen Orten eine klare Strategie für Wasserstoff auf regionaler Ebene existiert – ein Ansatz, von dem Vietnam viel lernen kann. Zugleich betonte er, dass Investitionen und Kosten derzeit noch die größten Herausforderungen darstellen: Die deutschen Technologien sind qualitativ hervorragend, aber für Vietnam aktuell noch teuer. Dennoch sehe ich viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit – nicht nur bei Wasserstoff, sondern auch in den Bereichen Maschinenbau, Automatisierung und Ingenieurwesen.

Auch  Nguyen Thi Van Anh, Generaldirektorin bei Chemical Industry Engineering JSC (CECO), zeigte sich überzeugt vom Potenzial gemeinsamer Projekte: Vietnam hat sich zu Netto-Null-Emissionen bis 2050 verpflichtet. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir jetzt beginnen – mit Pilotprojekten, mit dem Wissenstransfer und mit Technologien, wie wir sie hier gesehen haben.

Fazit: Vietnam – ein dynamischer Markt für deutsche Technologie

Die fünftägige Informationsreise, organisiert und durchgeführt von eclareon, hat gezeigt, dass das Interesse an deutscher Wasserstofftechnologie in Vietnam groß ist und deutsche Unternehmen sehr geschätzt sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Infrastruktur, Finanzierung und regulatorische Klarheit entscheidende Erfolgsfaktoren für den Markthochlauf bleiben.

Für deutsche Unternehmen – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – eröffnet Vietnam ein spannendes Umfeld: politisch stabil, wirtschaftlich dynamisch und technologisch offen. Mit der neuen Deutsch-Vietnamesischen Energiepartnerschaft aus 2025 und gezielten Förderinstrumenten entsteht ein Rahmen, der Kooperationen möglich macht – insbesondere in den Bereichen Elektrolyse, Speicherung, Transport und Zertifizierungstechnologien.

Auch der Gegenbesuch ist bereits in Planung. Nächstes Jahr soll eine Energie-Geschäftsreise nach Vietnam stattfinden. Sie wird deutschen Unternehmen die Möglichkeit bieten, die aufstrebende Wasserstoffwirtschaft Vietnams vor Ort kennenzulernen, potenzielle Partner zu treffen und konkrete Kooperationsprojekte anzustoßen – ein weiterer Schritt, um die bilateralen Beziehungen im Bereich grüner Wasserstoff nachhaltig zu vertiefen.

Die Informationsreise wurde organisiert und durchgeführt von der eclareon GmbH mit Unterstützung der AHK Vietnam im Auftrag der Exportinitiative Energie.