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Erneuerbare Energien in Ostafrika: So werden Projekte finanzierbar
Einleitung
Ostafrikas Energiemärkte befinden sich im Wandel: Der Strombedarf steigt, gleichzeitig braucht es vielerorts verlässlichere und nachhaltigere Versorgungsstrukturen. Deutsche Unternehmen können gemeinsam mit lokalen Partnern dazu beitragen, erneuerbare Energien auszubauen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Die Webinare „Fit4Finance Ostafrika“ und „Meet the Expert Ostafrika“ zeigten, worauf es dabei ankommt: belastbare Geschäftsmodelle, geeignete Finanzierungsinstrumente und erfahrene lokale Partner.
Unterstützung ist vorhanden – aber oft schwer zu überblicken
Für den Markteintritt in Ostafrika stehen zahlreiche deutsche Förder-, Beratungs- und Finanzierungsinstrumente zur Verfügung. Die Herausforderung besteht weniger in einem Mangel an Angeboten als darin, für die jeweilige Unternehmens- und Projektphase das richtige Instrument zu finden.
Der Partners in Transformation Desk East Africa versteht sich deshalb als zentrale Anlaufstelle. Er unterstützt Unternehmen bei der Orientierung, vermittelt Kontakte und hilft dabei, geeignete Angebote für Markterschließung, Beratung, Zuschüsse und Finanzierung zu identifizieren. Das Spektrum reicht von Frühphasenprogrammen für junge Unternehmen bis zu umfangreichen Finanzierungen für etablierte Projektentwickler.
Für größere Vorhaben bietet die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft(DEG) langfristige Darlehen, Eigenkapital und Mezzanine-Finanzierungen an. Das Programm ImpactConnect richtet sich mit kleineren Finanzierungsvolumina an europäische Unternehmen, die in Schwellen- und Entwicklungsländern expandieren wollen. Über develoPPP Classic können Projekte kofinanziert werden, die neben dem unternehmerischen Interesse auch eine entwicklungspolitische Wirkung entfalten. Für Start-ups mit ersten Umsätzen kann develoPPP Ventures eine Förderung bereitstellen, ohne dass Unternehmensanteile abgegeben werden müssen.
Bankfähigkeit entscheidet
Ob eine Finanzierung zustande kommt, hängt vor allem von der wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines Projekts ab. Banken prüfen die erwarteten Cashflows, die Bonität der Abnehmer, Genehmigungen und die Belastbarkeit der Verträge.
Bei Stromabnahmeverträgen sind insbesondere die Qualität des Abnehmers, die Laufzeit der Konzession, politische Risiken und die langfristige Tragfähigkeit der vereinbarten Tarife entscheidend. Einen festen Eigenkapitalanteil gibt es dagegen nicht immer. Die Banken bewerten Projekte im Einzelfall und achten darauf, ob der Projektentwickler eigenes Risiko übernimmt und ob das Vorhaben seine Finanzierung aus den laufenden Einnahmen bedienen kann.
Auch größere Projektvolumina können durch regionale Banken oder Bankenkonsortien finanziert werden. Ausschlaggebend ist daher weniger die grundsätzliche Verfügbarkeit von Kapital als die Qualität und Struktur des Projekts.
Technologie muss langfristig funktionieren
Für die Finanzierungsentscheidung spielt die technische Reife eine zentrale Rolle. Banken prüfen nicht nur die Leistungsfähigkeit einer Anlage, sondern auch ihre Lebensdauer, die Garantien des Herstellers und die Verfügbarkeit lokaler Wartungsstrukturen.
Da Energieprojekte über viele Jahre betrieben und finanziert werden, muss ihre technische Betriebsfähigkeit über die gesamte Laufzeit gesichert sein. Entscheidend ist deshalb, dass Ersatzteile, Wartungskapazitäten und das notwendige Know-how für Betrieb und Instandhaltung dauerhaft verfügbar sind. Fehlen diese Voraussetzungen, können längere Ausfälle die erwarteten Einnahmen und damit auch die Rückzahlung der Finanzierung gefährden.Da Energieprojekte häufig über zehn oder mehr Jahre finanziert werden, kann der schnelle technologische Wandel selbst zum Risiko werden. Eine Anlage muss auch dann zuverlässig betrieben und repariert werden können, wenn inzwischen neuere Lösungen auf dem Markt sind. Denn fehlen Ersatzteile oder qualifizierte Serviceteams vor Ort, können Ausfälle unmittelbar die Rückzahlung der Finanzierung gefährden.
Wo Finanzierer aktuell Marktpotenzial sehen
Besonders gute Finanzierungschancen sehen regionale Banken derzeit bei gewerblichen und Solaranlagen, Batteriespeichern und Elektromobilität. In Kenia investieren Unternehmen zunehmend in eigene Solarsysteme, um Stromkosten zu senken und Versorgungsunterbrechungen abzufedern. Speicherlösungen und Net-Metering können solche Geschäftsmodelle zusätzlich attraktiver machen, weil überschüssige Energie flexibler genutzt werden kann.
Auch Elektromobilität gewinnt an Bedeutung. Während in industriellen Kenia vor allem die Nachfrage nach elektrischen Bussen und Motorrädern wächst, setzt Ruanda gezielt auf steuerliche Anreize für Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur. Daraus entsteht Investitionsbedarf bei Fahrzeugen, lokaler Montage, Wartung sowie Lade- und Batteriewechselstationen.
Darüber hinaus sehen Banken Potenzial in intelligenten Stromnetzen, energieeffizienten Gebäuden, klimafreundlicher Produktion, nachhaltiger Landwirtschaft und Waste-to-Energy-Projekten. Für Finanzierer sind diese Bereiche vor allem dann interessant, wenn eine belastbare Nachfrage, nachvollziehbare Einsparungen und verlässliche Einnahmen erkennbar sind.
Banken werden zu Markteintrittspartnern
Die regionalen Banken verstehen sich nicht nur als Kreditgeber. Sie bieten Betriebsmittelfinanzierungen, Handelsfinanzierung, Leasing, Fremdwährungslösungen und Cash-Management an. Darüber hinaus können sie potenzielle Vertriebspartner, Kunden und Projektentwickler aus ihren Netzwerken vermitteln.
Für Unternehmen, die über lokale Distributoren arbeiten, können beispielsweise Lagerbestände, Forderungen oder Anlagen finanziert werden. Bei Pay-as-you-go-Modellen ist es unter bestimmten Bedingungen möglich, bestehende Kundenportfolios zur Refinanzierung zu nutzen. Wächst das Geschäft, kommen strukturierte Finanzierungen, Garantien und Konsortialkredite infrage.
Ein regionales Bankennetzwerk erleichtert zudem die Expansion über ein einzelnes Land hinaus. Unternehmen können eine bestehende Geschäftsbeziehung nutzen, um später auch Märkte wie Uganda, Tansania, Ruanda oder die Demokratische Republik Kongo zu erschließen.
Ostafrika bietet erhebliche Chancen und zunehmend bessere Voraussetzungen für Investitionen in erneuerbare Energien. Entscheidend ist jedoch nicht allein der Zugang zu Kapital, sondern eine Projektstruktur, die den Anforderungen der Finanzierer entspricht. Deutsche Unternehmen sollten deshalb geeignete Förder- und Absicherungsinstrumente frühzeitig einbeziehen, technische Risiken realistisch bewerten und belastbare lokale Partnerschaften aufbauen.
Die Exportinitiative Energie greift das Thema Finanzierung mit zwei strukturierten Webinar-Reihen auf: In "Fit4Finance" werden Unternehmen auf Finanzierungsanforderungen in konkreten Zielmärkten vorbereitet, während "Meet the Expert" Einblicke in Instrumente und Angebote einzelner Finanzierungsinstitutionen gibt. Informationen zu Webinar-Terminen sowie Kontaktmöglichkeiten für interessierte Finanzierungsinstitutionen finden Sie hier.