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Südostasiens Energiewende zwischen Projektentwicklung und Finanzierung
Einleitung
Südostasien gehört zu den wirtschaftlich dynamischsten Regionen der Welt. Mit dem Wachstum steigt der Strombedarf, während die Regierungen zugleich erneuerbare Energien, klimafreundliche Infrastruktur und widerstandsfähigere Versorgungssysteme ausbauen wollen. Das schafft einen großen Investitionsbedarf – und neue Märkte für Solarenergie, Windkraft, Geothermie, Wasserkraft, Bioenergie und Energieeffizienz.
Für Banken zählt nicht allein, ob eine Technologie innovativ oder klimafreundlich ist. Entscheidend ist, ob das Projekt dauerhaft ausreichende Einnahmen erwirtschaftet. Geprüft werden unter anderem Bau- und Betriebskosten, erwartete Energieerträge, Genehmigungen, Versicherungen, technische Garantien, Stromabnahmeverträge und die Bonität der beteiligten Unternehmen.
Enrique Florencio von der Association of Development Financing Institutions in Asia and the Pacific(ADFIAP) nannte sieben zentrale Voraussetzungen: ein glaubwürdiges Erlösmodell, kommerziell erprobte Technik, starke lokale Partner, die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards, messbare Klimawirkungen, geeignete Instrumente zur Risikominderung sowie transparente Unternehmensführung.
Langfristige Stromabnahmeverträge oder verlässliche Vergütungsmodelle können das Risiko erheblich senken. Ebenso wichtig ist, dass Liefer-, Bau-, Wartungs-, Versicherungs- und Finanzierungsverträge aufeinander abgestimmt sind. Widersprüchliche Fristen, Leistungswerte oder Haftungsregeln können selbst ein technisch solides Projekt gefährden.
Wie technische und wirtschaftliche Prüfung zusammenspielen, zeigt die Bank of the Philippine Islands(BPI). Sie finanziert seit 2008 nachhaltige Projekte und hat nach eigenen Angaben 532 Vorhaben begleitet, darunter rund 165 im Bereich erneuerbarer Energien. Kostenlose technische Beratungen durch geschulte Fachleute sollen sicherstellen, dass die Anlagen funktionieren und sich wirtschaftlich tragen. Für die BPI muss ein Nachhaltigkeitsprojekt mindestens eines von drei wirtschaftlichen Zielen erfüllen: Umsätze erhöhen, Kosten senken oder Risiken reduzieren.
Lokale Bedingungen verändern die Risikobewertung
Ob diese wirtschaftlichen Ziele erreicht werden, hängt allerdings auch davon ab, wie gut die Technik an die Bedingungen des jeweiligen Standorts angepasst ist. Projekte müssen Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit, Starkregen, Erdbeben und extremen Taifunen standhalten.
Joanne Biala, Leiterin des Sustainability Office der BPI, berichtete von Solarmodulen, deren Leistung aufgrund von Mikrorissen und sogenannten Snail Trails stark zurückging. Fast alle Module mussten noch vor Ablauf der Garantie ersetzt werden.
In einem anderen Projekt waren die Module so fest auf einem Betondach montiert, dass ein Taifun nicht nur die Anlage, sondern das gesamte Dach abriss und ins Meer schleuderte. Trümmer beschädigten anschließend eine benachbarte Solaranlage.
Solche Erfahrungen prägen die Kreditprüfung. Die BPI verlangt von Technologieanbietern und EPC-Unternehmen lokale Referenzen oder die Zusammenarbeit mit Ingenieuren, die bereits vergleichbare Projekte auf den Philippinen umgesetzt haben. Ohne diese Erfahrung wird eine Anlage aus Sicht der Bank schnell zum Versuchsvorhaben.
Dass eine klimaangepasste Planung möglich ist, zeigt die Solaranlage auf dem Dach der Asiatischen Entwicklungsbank in Manila. Weil die Konstruktion nicht im Dach verankert werden durfte, musste sie schwer genug sein, um bei extremem Wind nicht abzuheben, zugleich aber leicht genug, um das Gebäude nicht zu überlasten. Die 2013 errichtete Anlage ist weiterhin in Betrieb.
Neben der Technik können Genehmigungen zum Engpass werden. Nach Angaben der BPI unterscheiden sich die Verfahren stark zwischen einzelnen Städten und Provinzen. Regionen mit Erfahrung in erneuerbaren Energieprojekten bearbeiten Anträge meist schneller. Bei erstmaligen Vorhaben fehlen Behörden dagegen oft Wissen und Routinen.
Viele Projekte sind in einer frühen Phase für Geschäftsbanken noch zu riskant. Hier setzt Blended Finance an: Kommerzielle Kredite werden mit öffentlichen Fördermitteln, Zuschüssen, Garantien oder nachrangigem Kapital kombiniert. Damit lassen sich Machbarkeitsstudien finanzieren, Entwicklungsrisiken reduzieren und private Investoren mobilisieren.
ADFIAP nutzt dafür unter anderem die Plattform Nexus+. Sie verbindet technische Unterstützung, ESG-Prüfungen und Projektbewertung mit der Vermittlung zwischen Entwicklungsbanken, Investoren, Projektträgern und Technologieunternehmen. Für deutsche Mittelständler kann sie den Zugang zu lokalen Partnern und Finanzierern erleichtern.
Ein weiteres Instrument sind die Exportkreditgarantien des Bundes. Sie schützen deutsche Lieferanten oder finanzierende Banken vor politisch oder wirtschaftlich bedingten Zahlungsausfällen. Grundlage ist ein Liefervertrag über Waren oder Dienstleistungen mit einem ausreichenden deutschen Wertschöpfungsanteil.
Nach Angaben von Alexandra Lutz vom Kompetenzzentrum für Deutsche Exportfinanzierung sind bei erneuerbaren Energieprojekten je nach Technologie Kreditlaufzeiten von 15 bis 22 Jahren möglich. Solche langen Laufzeiten und wettbewerbsfähigen Finanzierungskonditionen können Investitionen für ausländische Kunden deutlich attraktiver machen.
Marktchancen jenseits der Solarenergie
Neben Solarenergie bieten sich in Südostasien auch bei anderen erneuerbaren Energien vielversprechende Chancen. Auf den Philippinen wurden bereits Onshore-Windparks finanziert. Offshore-Windkraft bietet Potenzial, ist wegen tiefer Gewässer, starker Strömungen und Taifunen jedoch technisch anspruchsvoll. Vietnam setzt ebenfalls auf Windenergie, während Indonesien unter anderem bei Geothermie Potenziale bietet.
Besonderen Bedarf sieht die BPI bei Biogas und Biomasse. Nach den Erfahrungen der Bank können Biogasanlagen erheblich an Kapazität verlieren, wenn die regelmäßige Entfernung von Schlamm bei Planung und Betrieb nicht ausreichend berücksichtigt wird. Für deutsche Anbieter von Vergärungstechnik, Wartungssystemen und Schlammmanagement können sich daraus konkrete Marktnischen ergeben.
Welcher Markt geeignet ist, hängt von der Technologie und den politischen Ausbauplänen ab. Unternehmen sollten deshalb nationale Energiepläne, Netzausbauziele und regulatorische Rahmenbedingungen prüfen, bevor sie sich für einen Zielmarkt entscheiden. Lokale Partner sollten anschließend möglichst früh eingebunden werden.
Die zentrale Botschaft der Webinare lautet: Südostasiens Energiewende braucht nicht nur leistungsfähige Technologien und zusätzliches Kapital. Gefragt sind vollständig vorbereitete Projekte, die wirtschaftlich tragfähig, technisch robust und lokal verankert sind. Für deutsche Unternehmen liegen die Chancen vor allem darin, nicht nur Anlagen zu liefern, sondern Finanzierung, Beratung, Anpassung und langfristigen Betrieb als Gesamtlösung mitzudenken.