Interview mit José Gómez, Business Development, Projekt GmbH

© Projekt GmbH

Herr Gómez, stellen Sie uns bitte kurz die Projekt GmbH vor.

Die Projekt GmbH ist ein familiengeführtes Projektentwicklungsunternehmen aus Oldenburg, das seit über 30 Jahren im Bereich der erneuerbaren Energien tätig ist. Wir decken die gesamte Bandbreite der Projektentwicklung ab, von der Flächensicherung über Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme bis hin zum Betrieb eigener Anlagen. Während wir in Deutschland hauptsächlich eigene Projekte umsetzen, realisieren wir international schlüsselfertige Anlagen für unsere Kunden.

Sie haben kürzlich ein Photovoltaik-Projekt für TUI auf den Kapverden abgeschlossen. Was macht dieses Projekt besonders?

Das Projekt umfasst eine 1,3-Megawatt-Peak-Dachanlage kombiniert mit einem Batteriespeicher von 1,6 Megawattstunden. Besonders ist die Größe dieser Anlage für einen Hotelbetrieb und natürlich der Batteriespeicher: Er ermöglicht es dem Hotel, tagsüber nahezu autark zu laufen und bei Stromausfällen bis zu vier Stunden weiterzubetreiben.
Auf den Kapverden kommt es regelmäßig zu Netzausfällen. Das ist für ein Hotel eine große Herausforderung. Früher musste TUI auf Dieselgeneratoren zurückgreifen. Dank des neuen Systems werden diese nur noch in Ausnahmefällen benötigt, was enorme Kosten spart, und die Umwelt schont.

Ein wichtiger Punkt ist dabei allerdings der regulatorische Rahmen auf den Kapverden: Es ist dort nicht erlaubt, Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen.
Das bedeutet, dass die Anlage so betrieben werden muss, dass sie immer leicht unterhalb des Eigenverbrauchs bleibt. Wir lassen bewusst eine kleine Stromaufnahme aus dem Netz bestehen, damit kein Solarstrom zurückfließt. Überschüsse werden stattdessen in der Batterie gespeichert. So erreichen wir eine Eigenversorgung von rund 99 Prozent.

Solaranlage auf dem Robinson Club, TUI, Kap Verde

TUI Robinson Club, Kap Verde

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Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Umsetzung auf den Inseln meistern?

Die Logistik war zweifellos die größte Herausforderung. Der Transport der Komponenten über Portugal auf die Inseln war komplex und zeitaufwendig. Hinzu kam der Fachkräftemangel vor Ort. Für ein so anspruchsvolles Projekt mussten wir Spezialistinnen und Spezialisten aus Europa einfliegen. Trotzdem war die Zusammenarbeit mit unseren lokalen Partnern hervorragend. Wir arbeiten seit 2019 mit Unternehmen auf den Kapverden zusammen, die eine beeindruckende Qualität liefern.

Was war der wichtigste Erfolgsfaktor für dieses Projekt?

Flexibilität und Koordination. In einem Inselstaat wie den Kapverden muss man mit unregelmäßigen Lieferketten, schwierigen Transportwegen und langsamen Entscheidungsprozessen umgehen können. Geduld und Anpassungsfähigkeit sind entscheidend, um Projekte erfolgreich umzusetzen. Und natürlich auch unsere Erfahrung aus bereits umgesetzten PV-Projekten auf den Kapverden.

Welche Bedeutung hat das Projekt für den Tourismus und die Energiewende auf den Kapverden?

Dieses Projekt ist ein echtes Leuchtturmprojekt. Der Strom auf den Kapverden wird größtenteils aus fossilen Quellen gewonnen, häufig aus importiertem Schweröl. Durch die PV-Anlage und den Speicher arbeitet das Hotel tagsüber vollständig CO₂-neutral und teilweise nachtsüber. Das ist ein enormer Fortschritt für nachhaltigen Tourismus.
Auch wirtschaftlich ist das Projekt ein Gewinn: Die Stromkosten auf den Inseln sind sehr hoch. Die Eigenversorgung senkt die Betriebskosten erheblich und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Hotels. Gleichzeitig kann TUI das Hotel als nachhaltiges Reiseangebot vermarkten: Urlaub mit reduziertem CO₂-Fußabdruck.

Solaranlage auf dem Robinson Club, TUI, Kap Verde

TUI Robinson Club, Kap Verde

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Wie kam der Kontakt zu TUI zustande?

Der Kontakt entstand im Rahmen einer Energie-Geschäftsreise der Exportinitiative Energie im Jahr 2023, organisiert von der AHK Portugal. TUI war einer der Gesprächspartner, die uns durch die AHK vermittelt wurden. Das Treffen vor Ort im Hotel legte den Grundstein für das Projekt. Später folgten Ausschreibung und Vergabe. 2025 konnten wir das Projekt dann erfolgreich in Betrieb nehmen.

Welche Rolle spielte die Unterstützung durch die Exportinitiative Energie und die AHK Portugal?

Die Unterstützung war entscheidend. Durch die Geschäftsreise und die Vermittlung der AHK konnten wir auf direktem Weg Kontakte zu potenziellen Kunden und Behörden knüpfen. Mit offizieller Begleitung öffneten sich viele Türen schneller. Besonders hervorheben möchte ich das Engagement von der AHK Portugal – die Unterstützung vor, während und nach der Reise war außergewöhnlich.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft auf den Kapverden?

Wir sind weiterhin aktiv auf den Kapverden und stehen bereits in Gesprächen über neue Projekte, unter anderem mit Versorgern und Hotelbetreibern. Außerdem haben wir im November 2025 erneut an der Geschäftsreise auf die Kapverden der Exportinitiative teilgenommen um weitere Projekte zu konkretisieren.

Batteriespeicher

Batteriespeicher

© Projekt GmbH

Welche Empfehlung geben Sie anderen Unternehmen, die über einen Markteintritt nachdenken?

Ich kann die Teilnahme an den Geschäftsreisen der Exportinitiative Energie nur empfehlen. Für Unternehmen, die einen neuen Markt erschließen oder bestehende Aktivitäten ausbauen wollen, ist das Programm ideal. Man erhält in kurzer Zeit wertvolle Kontakte und ein tiefes Marktverständnis. Zudem hilft die offizielle Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums dabei, bei lokalen Behörden und Partnern auf Augenhöhe aufzutreten.

Zum Abschluss – worauf sind Sie besonders stolz?

Wir sind stolz darauf, ein echtes Vorzeigeprojekt für nachhaltige Energieversorgung auf den Kapverden realisiert zu haben. Das Energieministerium vor Ort sieht unsere Anlage als Beispiel dafür, wie die Zukunft der Energieversorgung auf den Inseln aussehen kann. Für uns ist das eine große Ehre und ein Ansporn, diesen Weg weiterzugehen, die reichhaltigen erneuerbaren Ressourcen Wind und Sonne auf den Kapverden zu nutzen.