Interview mit Rainer Brohm, Leiter des Länderteams im Projektentwicklungsprogramm

© GIZ und Geschäftsstelle der Exportinitiative Energie

Im Interview: Rainer Brohm, Leiter Länderteam PEP

Was ist neu im PEP ab 2026?

Neu sind vor allem der stärkere Fokus auf Systemlösungen zur Energieversorgung der lokalen Industrieunternehmen sowie eine geschärfte Auswahl der Zielländer. Das PEP arbeitet weiterhin eng mit lokalen Industrieunternehmen zusammen und berät sie bei der Analyse ihres Energiebedarfs sowie bei der Vorbereitung tragfähiger Investitionsentscheidungen. Dabei wird der Energiebedarf nicht nur entlang einzelner Technologien betrachtet, sondern mit einem umfassenden Blick auf den Strom-, Wärme- und Kühlungsbedarf einer lokalen Fabrik oder Gewerbeeinheit.

Viele lokale Unternehmen suchen ein „Gesamtpaket“ und somit Lösungen, die über einzelne Komponenten hinausgehen. Während Photovoltaik in vielen Märkten bereits etabliert ist, entstehen somit zusätzliche Ansatzpunkte für weiterführende Investitionsprojekte entlang der gesamten Energieversorgung. Auf dieser Grundlage werden passende Lösungen identifiziert, die sinnvoll zusammenspielen – etwa erneuerbare Stromversorgung, Wärme- oder Kälteanwendungen, Energieeffizienz oder grüner Wasserstoff. Die Zielländerauswahl wurden dahingehend angepasst, dass dort für solche Projektansätze eine reale Nachfrage, geeignete Rahmenbedingungen und realistische Umsetzungsperspektiven bestehen.

Wie sieht ein konkretes Beispiel für eine solche Projektchance aus?

Ein Beispiel wäre eine Textilfabrik in Vietnam, die ihre bisher fossile Wärmeversorgung auf energieeffiziente Solarthermie und Wärmepumpe umstellen und ihren Strombedarf über erneuerbare Energien decken möchte. Das Projekt wird so vorentwickelt, dass technische Anforderungen klar beschrieben sind und eine zielgerichtete Zusammenarbeit mit passenden Lösungsanbietern mit Sitz in Deutschland möglich ist – beispielsweise bei Solarthermieanlagen, Wärmepumpen oder erneuerbaren Stromversorgungslösungen mit Speicher.

Wie profitieren deutsche KMU von diesem Ansatz?

Die Beratung der lokalen Unternehmen führt dazu, dass deutsche KMU auf vorbereitete Gesprächspartner treffen. Projektziele, Anforderungen und Rahmenbedingungen sind geklärt, und die Unternehmen in den Partnerländern können ihre Investitionsentscheidungen fundiert treffen. Das reduziert typische Unsicherheiten in der frühen Projektphase und erleichtert die Zusammenarbeit.

Zugleich entstehen Projektansätze, bei denen Lösungen über etablierte Technologien hinaus gefragt sind. In Bereichen wie Systemintegration, Effizienz, Steuerung oder komplexeren Anwendungen verfügen deutsche Anbieter über besondere Stärken und Erfahrung. Diese lassen sich in den vorentwickelten Projekten gezielt einbringen, sodass lokale Unternehmen die beste Lösung für ihr Investitionsprojekt erhalten.

Wo können sich deutsche Unternehmen einbringen und mit lokalen Partnern in Kontakt kommen?

Deutsche Unternehmen können sich über verschiedene Formate einbringen und in den Austausch treten. Die German Training Weeks bieten Gelegenheit, eigene Expertise als Trainer einzubringen, mit lokalen Entscheidungsträgern zu Investitionsvorhaben ins Gespräch zu kommen. Webinare geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen in den Zielmärkten und in neue Projektansätze. Referenzprojektreisen ermöglichen ergänzend den Austausch auf Basis bereits umgesetzter Projekte.

All diese Formate unterstützen den Dialog mit lokalen Unternehmen, helfen dabei, frühzeitig Kontakte zu potenziellen Partnern aufzubauen und somit Projektanbahnungen im lokalen Markt zu unterstützen.

Wenn Sie wissen möchten, in welchen Ländern und Projekten sich aktuell Anknüpfungspunkte ergeben, treten Sie mit dem PEP-Team in Kontakt und lassen Sie uns ins Gespräch kommen.

Veranstaltungen im Projektentwicklungsprogramm

Im Jahr 2026 sieht das PEP mehrere German Training Weeks, Referenzprojektreisen und Webinaren vor, um deutsche Anbieter mit Projektchancen in Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen zu bringen. Maßnahmen und Veranstaltungen innerhalb des PEPs richten sich an die Zielländer Côte d'Ivoire, Ghana, Kenia, Nigeria, Marokko, Senegal, Südafrika, Bangladesch, Vietnam, Indien, Indonesien und Argentinien.