Besichtigung der KI-gestützten Energieeffizienzanlage, Vereinigte Eisfabriken und Kühlhallen, Wien

© Luiza Puiu

Energieeffizienz als Standortfaktor in Österreich

Österreich verfolgt im Rahmen seiner Klima- und Energiestrategie #mission2030 das Ziel, den Stromverbrauch bis 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken und bis 2040 vollständige Klimaneutralität zu erreichen. Aktuell liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch bei rund 43 Prozent – angestrebt werden 45 bis 50 Prozent bis 2030. Da sich der Gesamtstrombedarf bis 2040 voraussichtlich verdoppeln wird, kommt Effizienzmaßnahmen eine Schlüsselrolle zu: Das Bundes-Energieeffizienzgesetz (EEffG) verpflichtet Österreich, seinen Energieverbrauch bis 2030 um 18 Prozent zu reduzieren.

Kühlung als größter Energieverbraucher im Lebensmittelsektor

Kälte- und Kühlsysteme zählen in der Industrie, dem Lebensmittelsektor und der Pharmazie zu den größten Einzelverbrauchern von Strom. Das österreichische Klimaaktiv-Programm des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) beziffert das Einsparpotenzial bei Kältesystemen auf bis zu 30 Prozent; im Lebensmitteleinzelhandel entfallen 40 bis 45 Prozent des gesamten Energiebedarfs allein auf die Kühlung – bei reinen Tiefkühllogistikbetrieben liegt dieser Anteil noch deutlich höher.

KI löst ein klassisches Kälteproblem

Genau an dieser Stelle setzt das Projekt in Österreich an. Das 2021 gegründete Hamburger Hightech-Startup Coldsense Technologies GmbH entwickelt intelligente Systemlösungen zur Energieeffizienzsteigerung von industriellen Kühlräumen. Im Rahmen des Renewable Energy Solutions Programms (RES-Programm) hat das Unternehmen seine intelligente Kälteanlagensteuerung bei den Vereinigten Eisfabriken und Kühlhallen in Wien installiert – einem Betrieb, der laut eigener Aussage bereits seit 2021 klimaneutral zertifiziert ist.

Die Anlage bietet über 16.000 Palettenstellplätze und lagert Tiefkühlprodukte bei Temperaturen bis minus 30 °C für Kunden aus dem Lebensmittelhandel, der Gastronomie und der Pharmabranche. Die Coldsense-Technologie adressiert dabei ein klassisches Problem der Kältetechnik: Frost- und Eisbildung an Wärmetauschern erhöht den Stromverbrauch und mindert die Kühlleistung – mit erheblichen Kosten für Betreiber. Mithilfe geeigneter Sensoren analysiert das System das Nutzungsverhalten der Kühlräume und realisiert über maschinelles Lernen eine bedarfsgerechte, optimierte Steuerungsstrategie der Kälteanlage.

Ein wegweisendes Projekt mit Vorbildcharakter

Die Vereinigten Eisfabriken sind als Genossenschaft organisiert und vermieten Kühl- und Tiefkühllagerkapazitäten an Kunden aus Lebensmittelhandel, Gastronomie und Pharmabranche. Bereits 20 Prozent ihres Strombedarfs decken sie über eigene Aufdach-PV-Anlagen – die Installation der intelligenten Kühlungssteuerung ist die konsequente Fortsetzung dieser Nachhaltigkeitsstrategie. Mit der Coldsense-Lösung soll der Energieverbrauch der Kälteanlagen signifikant sinken.

Öffentliche Präsentation beim Nachhaltigkeitstag in Wien

Am 23. April 2026 präsentierten die Vereinigten Eisfabriken Wien und Coldsense Technologies gemeinsam mit der dena und der Wirtschaftskammer Österreich das Projekt beim Nachhaltigkeitstag in Wien. Neben Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Botschaft in Wien und vom Österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) konnten sich interessierte Unternehmen und Stakeholder vor Ort sich von der Leistungsfähigkeit der Technologie überzeugen.

Feierliche Einweihung von Coldsense Technologie GmbH bei der HausWirtschaft, Wien

© dena

Das Projekt zeigt, dass der Weg zur Klimaneutralität auch durch die enge Kooperation mit technologischen Vorreitern und die Innovationskraft des Mittelstands geebnet wird. Intelligente Energieoptimierungsmaßnahmen beweisen dabei, dass sich die Reduktion von CO₂-Emissionen direkt mit klaren Kostenvorteilen vereinen lässt. Lösungen wie die von Coldsense Technologies sind ein gutes Beispiel für eine Strategie, die ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Effizienz zu einem nachhaltigen Erfolgsmodell für die gesamte Branche verbindet.

Mit dem RES-Programm unterstützt die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) deutsche Unternehmen der Erneuerbare-Energien- sowie Energieeffizienz-Branche bei der Erschließung neuer Absatzmärkte. Im Rahmen des Programms werden Referenzanlagen in einem Zielmarkt errichtet und mit Unterstützung der Deutschen Energie-Agentur (dena) öffentlichkeits- und werbewirksam vermarktet. Durch Informationsvermittlung sowie Schulungsaktivitäten wird die Nachhaltigkeit des Markteintritts gefördert und die Qualität klimafreundlicher Technologien aus Deutschland demonstriert.