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Qualität als Eintrittskarte in den Schweizer Gebäudemarkt
Einleitung
Die Schweiz zählt für deutsche Anbieter energieeffizienter Gebäudetechnik zu den attraktivsten Zielmärkten in Europa. Das Land ist wirtschaftlich stabil, innovationsstark und eng mit Deutschland verflochten. Zugleich ist der Markteintritt anspruchsvoll. Wer Lösungen für Industrie- und Gewerbegebäude anbieten will, muss hohe Qualitätsanforderungen erfüllen, lokale Entscheidungswege verstehen und belastbare Partnerschaften aufbauen.
Der Schweizer Gebäudesektor steht vor einer langfristigen Modernisierungsaufgabe. Viele Gebäude wurden vor 1980 errichtet. Das Sanierungspotenzial ist daher hoch: 40 bis 45 Prozent des Endenergieverbrauchs entfallen in der Schweiz auf Gebäude. Rund ein Drittel der inländischen CO₂-Emissionen steht ebenfalls mit dem Gebäudesektor in Verbindung.
Für Industrie und Gewerbe ist der Handlungsdruck besonders konkret. In der Industrie dominiert Prozesswärme weiterhin den Energieverbrauch. Im Dienstleistungssektor bleibt Raumwärme ein zentraler Verbrauchstreiber. Daraus entsteht Bedarf an Lösungen, die nicht nur einzelne Komponenten ersetzen, sondern ganze Energiesysteme effizienter machen: Heizen, Kühlen, Lüften, Regeln, Speichern und Messen sind untrennbar miteinander verbunden.
Klimaziele, Stromgesetz und kantonale Vorgaben treiben Investitionen
Die Schweiz verfolgt das Ziel, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Das neue Stromgesetz stärkt den Ausbau erneuerbarer Stromproduktion und erhöht die Bedeutung von Flexibilität, Lastmanagement und Speicherintegration. Gebäude werden damit stärker zu aktiven Energiesystemen, die Strom erzeugen, speichern und bedarfsgerecht nutzen.
Hinzu kommen kantonale Energiegesetze. Sie regeln unter anderem den Ersatz fossiler Heizsysteme und Anforderungen an erneuerbare Energien im Gebäudebereich. Für Unternehmen bedeutet das: Der Investitionsbedarf entsteht nicht nur aus freiwilligen Effizienzprogrammen. Er wird auch durch Regulierung, Förderlogiken und steigende Anforderungen an Betriebskosten, Versorgungssicherheit und Dokumentation geprägt.
„Der Gebäudesektor ist ein zentraler Hebel für die Schweizer Energie- und Klimaziele. Fossile Wärmeerzeugung, Effizienz im Bestand und Eigenstromerzeugung müssen künftig stärker zusammengedacht werden. Die Kantone spielen dabei eine entscheidende Rolle, weil sie die Vorgaben im Gebäudebereich konkret umsetzen“, sagt Olivier Brenner, stv. Generalsekretär der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren.
Der Schweizer Markt gilt als Premium- und Vertrauensmarkt. Für deutsche kleine und mittlere Unternehmen ist das ein zentraler Punkt. Technologische Stärke allein reicht nicht aus. Erfolgreich sind Anbieter, die ihre Lösungen an Schweizer Normen, Projektlogiken und Beschaffungsprozesse anpassen. Ebenso wichtig ist die Nähe zu lokalen Partnern. Planungs- und Ingenieurbüros, Installationsbetriebe, Energieversorger und Contractoren treten häufig früh als Projektinitiatoren oder Koordinatoren auf.
„Der Schweizer Markt bietet deutschen Anbietern energieeffizienter Gebäudetechnik sehr gute Chancen, ist aber kein Markt für schnelle Standardlösungen. Entscheidend sind Qualität, Verlässlichkeit und ein gutes Verständnis für lokale Entscheidungswege. Schweizer Geschäftspartner prüfen sorgfältig, legen großen Wert auf Vertrauen und erwarten belastbare technische Nachweise“, sagt Verena Stübner, stv. Direktorin der Handelskammer Deutschland-Schweiz.
Hier setzte die Energie-Geschäftsreise der Exportinitiative Energie nach Zürich an. Die Reise brachte deutsche kleine und mittlere Unternehmen mit Schweizer Fachakteuren, Planern, Betreibern, Verbänden und potenziellen Geschäftspartnern zusammen. Im Mittelpunkt standen Technologien für Industrie- und Gewerbeeffizienz, Gebäudeeffizienz, Solarenergie und Energieinfrastruktur.
Als Auftakt der Reise bot die Fachkonferenz in Zürich den teilnehmenden Unternehmen eine Bühne für ihre Lösungen. Fachvorträge, Case Studies, Unternehmenspitches, Paneldiskussionen und Workshops zeigten, welche Themen den Markt bewegen.
Für die deutschen Unternehmen war die Konferenz aber mehr als ein Präsentationsformat. Sie konnten ihre Angebote direkt mit Schweizer Fachpublikum spiegeln. Welche Lösung passt zu bestehenden Gebäuden? Welche Nachweise sind nötig? Welche Partner braucht es für Installation, Betrieb und Service? Die Antworten darauf sind entscheidend, um Marktpotenziale realistisch einzuschätzen.
Die Site Visits machten den Markt greifbar. Besucht wurden unter anderem Empa NEST, The Circle am Flughafen Zürich, das Zero Carbon Systems Lab der ETH Zürich und Siemens Smart Infrastructure. Das Programm zeigte, wie Forschung, Gebäudebetrieb, Energieinfrastruktur und Digitalisierung in der Schweiz zusammenwirken.
„Für uns war die Geschäftsreise besonders wertvoll, weil wir den Schweizer Markt nicht nur theoretisch kennengelernt haben. In den Gesprächen mit Planern, Betreibern und Fachakteuren wurde sehr konkret, welche Anforderungen an Qualität, Nachweise und Service gestellt werden. Gerade für ein mittelständisches Unternehmen ist dieser direkte Marktabgleich wichtig: Wir konnten prüfen, wo unsere Lösung passt, welche Partner wir brauchen und welche nächsten Schritte für einen realistischen Markteintritt sinnvoll sind.“ erklärt Jens Amberg, Geschäftsführer der Luftmeister GmbH.
Die Geschäftsreise in die Schweiz fand von 18. bis 22. Mai 2026 in Zürich statt und wurde vor Ort von der Handelskammer Deutschland-Schweiz im Auftrag der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durchgeführt.
Publikationen zum Download
Auslandsmarktinformationen
Publikation:Schweiz: Energieeffiziente Gebäudetechnik für Industrie und Gewerbe