Site Visit der deutschen Delegation

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Vom 18. bis 21. Mai 2026 trafen die deutschen Unternehmen in Lwiw auf ukrainische Unternehmen, kommunale Akteure, Fachverbände und öffentliche Institutionen. Das Programm umfasste einen Fachworkshop, individuelle Geschäftsgespräche, Objektbesichtigungen und Termine mit öffentlichen Entscheidungsträgern. Insgesamt fanden 69 B2B- und B2G-Gespräche statt. Mehrere Unternehmen vereinbarten Folgekontakte, weitere technische Abstimmungen und die Prüfung gemeinsamer Projektansätze.

Ein Markt zwischen Wiederaufbau und Dezentralisierung

Die Geschäftsgespräche fanden in einem Markt statt, der trotz des fortdauernden Krieges von Wiederaufbau und einer grundlegenden strukturellen Neuordnung geprägt ist. Bis Ende 2025 beliefen sich die direkten Schäden des Krieges an Gebäuden und Infrastruktur in der Ukraine auf rund 195,1 Milliarden US-Dollar. Auf den Energiesektor entfielen davon 24,8 Milliarden US-Dollar. Vielerorts prägen tägliche Stromausfälle von zehn bis 18 Stunden den Alltag. Die Ukraine muss daher beschädigte Erzeugungs- und Netzinfrastruktur ersetzen und ihre Energieversorgung widerstandsfähiger gestalten. Dezentrale Anlagen sollen dazu beitragen, die Abhängigkeit von einzelnen großen Versorgungsstrukturen zu verringern.

Bis 2030 sieht der nationale Ausbaupfad unter anderem rund 12 Gigawatt Photovoltaik, bis zu 5 Gigawatt dezentrale Erzeugung aus Erdgas und Biomasse sowie bis zu 3 Gigawatt industrielle Stromspeicher vor. Gleichzeitig investieren ukrainische Unternehmen zunehmend in eigene Strom- und Wärmeerzeugung, um Produktionsausfälle und zusätzliche Kosten durch Netzunterbrechungen zu begrenzen.

Damit entstehen Marktchancen nicht nur beim Neubau von Anlagen. Gefragt sind auch Modernisierung, Netzanschluss, Automatisierung, Speicherintegration und technische Betriebsführung. Besonders relevant sind Lösungen für kritische Infrastruktur, kommunale Wärmeversorgung und die Eigenversorgung von Industrie und Gewerbe.

Reale Projekte im Mittelpunkt

Wie konkret diese Bedarfe sind, zeigte der Fachworkshop in Lwiw. Deutsche und ukrainische Fachleute arbeiteten gemeinsam an vier kommunalen Anwendungsfällen: einer Energieinsel für die kritische Wärmeversorgung, einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage für ein kommunales Kesselhaus, einem Batteriespeicher für einen Wärmeversorgungsstandort und der Integration einer Wärmepumpe in ein Fernwärmesystem. Dabei wurden technische Anforderungen, Betriebsmodelle, Finanzierungsmöglichkeiten und mögliche Partnerschaften diskutiert.

Auch die Objektbesichtigungen vermittelten einen direkten Eindruck vom Markt. Beim Heizkraftwerk „Pivnichna“ standen der Modernisierungsbedarf der kommunalen Wärmeversorgung und mögliche resiliente Versorgungslösungen im Mittelpunkt. Im St.-Lukas-Krankenhaus erhielten die Unternehmen Einblicke in ein bereits umgesetztes dezentrales Energieprojekt. Der Besuch bei Eco-Optima zeigte, unter welchen Bedingungen Solar- und andere erneuerbare Energieprojekte in der Ukraine entwickelt und betrieben werden.

Die Unternehmen erhielten damit keine abstrakte Marktübersicht. Sie konnten ihre Technologien an realen Anforderungen messen und direkt mit möglichen Auftraggebern, Projektentwicklern und Betreibern diskutieren.

Fotocollage: Eindrücke der Geschäftsreise

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Attraktiver Markt, anspruchsvoller Zugang

Der Zugang zum ukrainischen Markt bleibt jedoch anspruchsvoll. Vor allem bei Solartechnik, Wechselrichtern und kleineren Speichern ist der Preiswettbewerb stark. Anbieter aus Asien sind in diesen Segmenten fest etabliert. Deutsche KMU können sich daher vor allem über technische Qualität, zuverlässigen Betrieb, europäische Standards, belastbare Garantien und langfristigen Service positionieren. Diese Vorteile sind besonders bei kritischer Infrastruktur, kommunalen Auftraggebern und international finanzierten Projekten relevant.

Neben dem Wettbewerb müssen Unternehmen kriegsbedingte Sicherheitsrisiken, begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten, regulatorische Veränderungen und administrative Anforderungen berücksichtigen. Ein erfolgreicher Markteintritt erfordert deshalb mehr als eine geeignete Technologie: Entscheidend sind eine belastbare Finanzierung, eine klare Projektstruktur, lokale Marktkenntnis und verlässliche Partner vor Ort. Kooperationen mit ukrainischen Unternehmen, Projektentwicklern, Kommunen und Anlagenbetreibern erleichtern den Zugang zu Vorhaben und helfen, technische, finanzielle und sicherheitsbezogene Risiken realistisch einzuordnen. Die Energie-Geschäftsreise zeigte, dass konkrete Geschäftsanbahnungen auch unter den aktuellen Bedingungen möglich sind, wenn Partnerwahl, Finanzierung und Umsetzung von Beginn an sorgfältig vorbereitet werden.