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Die Mittelmeerinsel verfügt über hervorragende Voraussetzungen für Solarenergie. Doch der Ausbau erneuerbarer Energien stellt das bislang isolierte Stromnetz zunehmend vor Herausforderungen. Insbesondere Batteriespeicher, intelligente Netztechnologien und moderne Ladeinfrastruktur werden dringend benötigt. Welche Möglichkeiten sich daraus für deutsche Unternehmen ergeben, zeigte eine Energie-Geschäftsreise im Oktober 2026 nach Nikosia.
Zyperns Energiemarkt befindet sich im Umbruch. Obwohl erneuerbare Energien 2025 rund 28 Prozent zur Stromerzeugung beitrugen, dominieren weiterhin fossile Energieträger. Fehlende Speicher und begrenzte Netzkapazitäten führen zunehmend dazu, dass Solarstrom abgeregelt werden muss.
Bis 2030 benötigt Zypern nach Einschätzung des Übertragungsnetzbetreibers mindestens 600 Megawatt Speicherleistung. Bis Juli 2026 hatte die Energieregulierungsbehörde CERA bereits Genehmigungen für 66 eigenständige Batteriespeicherprojekte mit insgesamt 1.600 Megawatt Leistung sowie für 715 Photovoltaikprojekte mit integrierten Speichern erteilt. Die Zahlen verdeutlichen das erhebliche Projektpotenzial, zeigen zugleich aber, dass die praktische Umsetzung vieler Vorhaben noch bevorsteht.
Marius Alger, Founder's Associate bei BATTR Energy AG, sieht darin eine klare Geschäftsperspektive: Der Bedarf ist offensichtlich: 2025 wurde knapp die Hälfte des Solarstroms im zyprischen Verteilnetz abgeregelt. Gleichzeitig gibt es auf der Insel noch keine großskaligen Batteriespeicher. Ein isoliertes Netz mit so hoher Abregelung und fast ohne Speicher ist für uns ein klarer Zielmarkt.
Auch die Elektromobilität steht noch am Anfang. Ende 2025 gab es laut CERA lediglich 170 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Förderprogramme und neue regulatorische Rahmenbedingungen sollen den Ausbau beschleunigen. Gefragt sind integrierte Lösungen aus Ladeinfrastruktur, Photovoltaik, Batteriespeichern und intelligentem Lastmanagement.
Fachdialog und Networking in Nikosia
Das fünftägige Programm der Energie-Geschäftsreise verband fundierte Marktinformationen mit direktem Austausch und erster Geschäftsanbahnung. Die deutschen Unternehmen brachten Kompetenzen aus Batteriespeicherung, Leistungselektronik, Energiemanagement und digitaler Ladeinfrastruktur ein.
Den Auftakt bildete ein Länderbriefing zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Energiemarkt und Geschäftspraxis. Dabei unterstrich Christian Gihr, Präsident der Cyprus-Germany Business Association, die Bedeutung persönlicher Kontakte für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen. Sein Leitsatz: „Small island, short distances. The right contact is one coffee away.“
Beim Executive Business Roundtable diskutierten deutsche und zypriotische Fachleute über Speicherbedarf, Netzintegration und Ladeinfrastruktur. Das Format ermöglichte einen besonders offenen Austausch über technische Herausforderungen und Kooperationsmöglichkeiten.
Ein weiterer Höhepunkt war der deutsch-zypriotische Business Aperitif. Vertreter der Energieregulierungsbehörde CERA und der Wissenschaft erläuterten aktuelle Marktentwicklungen, während die deutschen Unternehmen ihre Technologien präsentierten. Networking und ein Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters boten zusätzliche Gelegenheiten, Kontakte zu Entscheidungsträgern aufzubauen.
Individuelle B2B-Gespräche, ein Austausch mit der Electricity Authority of Cyprus und der Besuch des PHAETHON Centre of Excellence an der Universität Zypern ermöglichten es den Unternehmen, technische Anforderungen, regulatorische Hürden und Kooperationsmöglichkeiten unmittelbar mit lokalen Fachleuten zu erörtern.
Deutsche Expertise trifft auf Nachfrage
Die Delegation wurde mit großer Offenheit und Interesse empfangen. Besonders nachgefragt waren Batteriespeichersysteme (BESS) und Roaming-Lösungen für Ladeinfrastruktur.
Welche Chancen der zypriotische Markt für spezialisierte Dienstleister bietet, beschreibt Kathrin Kehrer-Billhardt, Gesellschafterin der Power Consult Kehrer GmbH: Mit meiner langjährigen Erfahrung im deutschen und osteuropäischen Strommarkt kann ich einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen auf Zypern leisten. Die Energie-Geschäftsreise hat mir gezeigt, wie groß der Bedarf an dieser Expertise ist. Aus den Gesprächen sind bereits drei vielversprechende Geschäftskontakte und konkrete Ansätze für eine Zusammenarbeit entstanden.
Zu den nächsten Schritten gehören Überlegungen zu einer gemeinsamen Ausschreibungsbeteiligung mit einem zypriotischen Partner sowie mögliche Beratungsleistungen beim Aufbau von Energiegemeinschaften.
Wie konkret der Bedarf bereits ist, zeigte ein Gespräch mit der größten Molkerei Zyperns. Das Unternehmen möchte seine bestehenden Photovoltaikanlagen durch Batteriespeicher ergänzen. Bei der Auswahl möglicher Technologiepartner legt es auch aus Gründen der unternehmerischen Verantwortung (Corporate Social Responsibility) besonderen Wert auf europäische Anbieter.
Angesichts des intensiven Preiswettbewerbs durch chinesische Hersteller können sich europäische Anbieter insbesondere durch nachweisbare Nachhaltigkeitsstandards, transparente Lieferketten sowie verlässliche Qualitäts- und Servicekonzepte positionieren. Entscheidend ist dabei die überprüfbare Leistung des jeweiligen Anbieters, nicht allein dessen Herkunft.
Auch über den Speichermarkt hinaus entstanden konkrete Ansätze für eine Zusammenarbeit. Nikita Maksymchuk, Lead R&D in der Abteilung Strategie & Forschung bei SMART/LAB, berichtet: Die Reise hat uns wertvolle Kontakte zu politischen Akteuren und kommunalen Organisationen eröffnet. Besonders vielversprechend ist der Austausch mit der Frederick University, mit der wir ein gemeinsames Forschungsprojekt zur Landstromversorgung von Schiffen im Hafen von Limassol anstoßen möchten.
Technologie braucht Fachkräfte
Eine weitere zentrale Erkenntnis der Reise war der Mangel an spezialisierten lokalen Fachkräften. Insbesondere für Netzplanung, Installation, Systemintegration und Wartung moderner Energieanlagen stehen in Zypern nur begrenzte personelle Kapazitäten zur Verfügung. Mit dem geplanten Ausbau von Batteriespeichern und Ladeinfrastruktur dürfte der Qualifizierungsbedarf weiter steigen.
Für deutsche Unternehmen bedeutet dies, dass der Markteintritt nicht allein über den Verkauf von Technologie gelingen kann. Neben leistungsfähigen Produkten sind langfristige Service- und Qualifizierungskonzepte bedeutend. Technischer Support, Ersatzteilversorgung und die Schulung lokaler Fachkräfte sind wichtige Voraussetzungen für einen zuverlässigen Anlagenbetrieb.
Darin liegt zugleich ein Ansatzpunkt für deutsche KMU, sich gegenüber reinen Hardwareanbietern zu differenzieren: Wer technologische Lösungen mit Wissenstransfer und praxisnahen Schulungen verbindet, kann zum Aufbau lokaler Fachkompetenzen beitragen. Kooperationen mit Installationsbetrieben, Ingenieurbüros und technischen Dienstleistern unterstützen dabei, verlässliche Wartungsstrukturen aufzubauen und die eigene Marktpräsenz langfristig zu sichern.
Die Energie-Geschäftsreise nach Zypern fand vom 12. bis 16. Oktober 2026 statt. Sie wurde von der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer (AHK Griechenland) in Zusammenarbeit mit der energiewaechter GmbH im Auftrag der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie umgesetzt.