Samoa

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Hohe Importkosten für fossile Brennstoffe, fragile Netze und die geografische Fragmentierung der Inseln prägen die Ausgangslage in der Pazifikregion. Elektromobilität wird hier nicht als isolierte Technologie gedacht, sondern als Teil einer grundlegenden Transformation von Energie- und Verkehrssystemen. Genau darin liegt die Besonderheit des Marktes: Gefragt sind keine Einzelkomponenten, sondern funktionierende Gesamtsysteme.

Inselmärkte unter Transformationsdruck

Die pazifischen Inselstaaten zählen zu den Regionen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Gleichzeitig verfolgen sie ambitionierte Ziele: Der Anteil erneuerbarer Energien soll deutlich steigen, Verkehrssektoren werden elektrifiziert und Energieimporte reduziert. Fidschi strebt eine vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien bis 2030 und Klimaneutralität bis 2050 an. Samoa will den Anteil erneuerbarer Energien im Strommix bis 2030 auf 70 Prozent erhöhen, während Tonga aktuell erst bei rund 13 Prozent liegt und ebenfalls klare Ausbauziele verfolgt. Die Cookinseln planen, ihre Stromversorgung bis 2030 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen.

Gleichzeitig bleiben die Stromkosten hoch – auf den Cookinseln und in Tonga teils bei über 0,40 Euro pro Kilowattstunde – und unterstreichen den wirtschaftlichen Handlungsdruck. Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um wirtschaftliche Stabilität: In einigen Ländern machen Ausgaben für fossile Energieträger bis zu 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Entsprechend groß ist das Interesse an Lösungen, die langfristig Kosten senken und Versorgungssicherheit erhöhen.

Vier Märkte, unterschiedliche Dynamiken

Das Webinar zeigte, dass diese strategische Neuausrichtung längst begonnen hat – allerdings mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Ansätzen in den einzelnen Märkten.

In Fidschi entstehen erste elektrische Fahrzeugflotten, unter anderem im Tourismussektor und an Flughäfen, begleitet vom Ausbau öffentlicher und solarbasierter Ladepunkte. Samoa geht einen stärker programmatischen Weg: Im Rahmen des CAP-IT-Programms wurden bereits 76 Elektrofahrzeuge eingeführt und 16 Ladepunkte installiert, weitere Solarladestationen sind geplant. Tonga setzt auf Pilotprojekte und den parallelen Ausbau von Speicherlösungen, darunter Batteriesysteme mit Kapazitäten von bis zu 23 Megawattstunden. Auf den Cookinseln zeigt sich Elektromobilität bislang vor allem in kleinteiligen Anwendungen, etwa in Resorts oder bei staatlichen Fahrzeugflotten.

Ohne Systemintegration keine Elektromobilität

Ein zentrales Ergebnis der Veranstaltung war die Erkenntnis, dass Ladeinfrastruktur in diesen Märkten nur im Zusammenspiel mit Energieinfrastruktur funktioniert. Inselnetze sind häufig instabil oder nur begrenzt belastbar. Lösungen basieren daher zunehmend auf der Kombination von erneuerbarer Energieerzeugung, Batteriespeichern und intelligentem Lastmanagement. Insbesondere Microgrids und netzunabhängige Systeme ermöglichen es, Ladeinfrastruktur auch dort zuverlässig zu betreiben, wo zentrale Netze an ihre Grenzen stoßen.

Auch die Marktlogik unterscheidet sich von etablierten Märkten. Viele Projekte entstehen im Kontext internationaler Programme, etwa durch die Europäische Union, UNDP oder Entwicklungsbanken. Investitionen in Ladeinfrastruktur und Elektromobilität sind häufig Teil größerer Energie- und Infrastrukturvorhaben. Für Unternehmen bedeutet das, dass Markteintritte seltener über klassische Vertriebswege erfolgen, sondern über projektbasierte Kooperationen und Partnerschaften mit lokalen Akteuren – von Energieversorgern bis hin zu Unternehmen im Tourismussektor.

Vom Webinar zur Geschäftsanbahnung

Die Nachfrage in den Zielmärkten ist klar umrissen: Benötigt werden Lösungen, die erneuerbare Energie, Speicher und Ladeinfrastruktur miteinander verbinden, ebenso wie Systeme für dezentrale Energieversorgung und Anwendungen im Tourismus- und öffentlichen Sektor. Gleichzeitig besteht ein erheblicher Bedarf an Betriebskonzepten, Schulung und digitalen Lösungen, da lokale Fachkräftekapazitäten begrenzt sind.

Das Webinar machte damit deutlich, dass sich in der Pazifikregion ein Markt entwickelt, der durch konkrete Projekte, klare politische Zielsetzungen und internationale Finanzierung geprägt ist. Es bildete zugleich den Auftakt für die digitale Energie-Geschäftsreise in die Region vom 15. bis 19. Juni 2026. Diese bietet deutschen Unternehmen die Möglichkeit, die im Webinar gewonnenen Einblicke in konkrete Geschäftsanbahnungen zu überführen – unter anderem durch eine digitale Fachkonferenz und individuell vorbereitete B2B-Gespräche mit potenziellen Partnern vor Ort.

Interessierte Unternehmen können sich aktuell noch für die Teilnahme anmelden und so frühzeitig Zugang zu einem Markt sichern, der trotz seiner spezifischen Rahmenbedingungen zunehmend konkrete Projektchancen bietet.

Das Webinar sowie die digitale Energie-Geschäftsreise werden von der Renewables Academy (RENAC) AG in Zusammenarbeit mit der AHK Neuseeland im Auftrag der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durchgeführt.