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Fachveranstaltung der Exportinitiative Energie: Fachkräftegewinnung für deutsche Unternehmen im Ausland
Als international tätiges Unternehmen kennen Sie es: Die Suche nach Fach- und Führungskräften vor Ort ist eine Herausforderung.
Einleitung
Nicht nur in Deutschland herrscht Fachkräftemangel: Wie Unternehmen Fach- und Führungskräfte in Auslandsmärkten für den Einsatz vor Ort finden war das Thema der diesjährigen Fachveranstaltung der Exportinitiative Energie. Welche Unterstützungsangebote dabei helfen können und wie Apps oder VR-Brillen dabei von Nutzen sein können, wurde am 10. April 2024 in Frankfurt am Main diskutiert.
Das Thema der Veranstaltung wurde vom Strategiebeirat eingebracht, dem zentralen Gremium der Wirtschaft im Rahmen der Exportinitiative Energie. Die teilnehmenden Fach- und Branchenverbände waren sich einig, dass die Fachkräftesicherung im Ausland zentraler Baustein der Außenwirtschaftsförderung im Bereich klimafreundliche Energielösungen sein muss. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen brauchen konkrete Unterstützung zur Qualifizierung und Sicherung ihrer Fachkräfte im Ausland, betonte Edwin Stuhrberg (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) in seiner Eröffnungsrede.
Die No Regrets Option
Die Berufsausbildung ist in vielen Ländern oft sehr verschult, findet nicht in den Betrieben statt und ist wenig „hands on“. Daher müssen viele Unternehmen ihr Personal zu Anfang zusätzlich selbst trainieren und ausbilden – ein kosten- und zeitintensiver Umstand. David Wedepohl (Bundesverband Solarwirtschaft e.V.) teilte in seiner Keynote Erfahrungen aus langjähriger Praxis: Etwas, das man laut Wedepohl fast nie bereut, ist lokale Multiplikator*innen auszubilden, die ihr Wissen weitergeben können und es so in der Breite verteilen. Welche weiteren Möglichkeiten es gibt und welche öffentlichen Initiativen und Unterstützungsangebote Unternehmen zur Verfügung stehen, wurde im ersten Teil der Veranstaltung vorgestellt.
Die Session startete mit dem Skills Experts-Programm der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), die die umfassenden Angebote der Auslandshandelskammern im Bereich Auf- und Ausbau dualer Berufsausbildung vorstellten – im Besonderen auch die Etablierung nachhaltiger, grüner Berufe an bisher drei Standorten weltweit. Ein ergänzendes Angebot kam aus dem Publikum: Das Alumninetzwerk des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), das gemeinsam mit dem Goethe-Institut und der Humboldt-Stiftung betreut wird, und über welches der Kontakt zu ehemaligen DAAD-Stipendiat*innen hergestellt wird. Das Stichwort „Datenbank“ war auch die Überleitung zu iMOVE, die deutsche Bildungsanbieter beim Eintritt in neue Märkte unterstützen und diese auch dorthin vermitteln. Im Anschluss stellte die Renewables Academy (RENAC) ihre Angebote für die Qualifizierung von Fachkräften im Bereich grüne Energien vor.
Mit einem etwas anderen Ansatz waren auch zwei Projekte der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit vertreten: Invest for Jobs und das wasserstoffspezifische Projekt PtX Hub. Primär wird durch Invest for Jobs ein entwicklungspolitisches Ziel verfolgt: Gute Arbeitsplätze in den Partnerländern der deutschen Internationalen Zusammenarbeit zu schaffen. Um Arbeitsplätze zu schaffen, muss aber natürlich der Privatsektor eingebunden werden. Denn wer stellt ein, wenn nicht Unternehmen? Das PtX Hub Projekt wiederum verfolgt einen Train the Trainers Ansatz: Mit Wasserstoff Trainings werden weltweit Multiplikator*innen weitergebildet, die ihr Wissen weitergeben können. Den Abschluss des Vormittags machte dann die Exportinitiative Energie mit ihren eigenen Programmen, und insbesondere dem Renewable-Energy-Solutions-Programm (RES). Es wurde erläutert, wie „Unterstützung bei Marketing- und Schulungsmaßnahmen“ über die Exportinitiative Energie konkret aussehen kann.
Im Uhrzeigersinn: Angelika Farhan-Reimpell (geschäftsstelle der Exportinitiative Energie), Thomas van Raamsdonk (Pro Clima Neuseeland), Marc Reinhard (Fachverband Biogas e.V.), Henny Marie Friedrich (WILO East Africa), Kara Clauß (SMA Solar Technology AG), Amelie Riedesel (elephant Technologies), Jakob Selinger (ecoTRN)
Am Nachmittag gab es spannende Einblicke in verschiedene Best Practice-Beispiele von Unternehmen, die im Bereich erneuerbarer Energien eigenständig Fortbildungsmaßnahmen im Ausland umsetzen. Per Live-Schalte ging es nach Neuseeland zur Firma ProClima. Um kurz vor Mitternacht Ortszeit gab es Einblicke in die firmeneigene Passivhaus-Trainingseinrichtung. Im Anschluss präsentierte der deutsche Biogasverband die internen Initiativen und brachte ein Beispiel zu Biogas-Trainings aus den Philippinen mit. Danach ging es virtuell nach Dänemark zur Global Wind Organization, die mit und für alle namhaften Turbinenhersteller einen gemeinsamen Industriestandard festgelegt hat und Kandidat*innen weltweit zertifiziert. Die Firmen SMA und WILO wiederum haben direkt ihre eigenen Akademien mit eigenen Standards und Zertifikaten errichtet. Vor Ort und zugeschaltet aus Kenia berichteten die Unternehmen von ihren Erfahrungen.
Ein Highlight waren zwei digitale Lösungen, die in Frankfurt dem Publikum präsentiert wurden. Die App elephant kann von Unternehmen dazu genutzt werden, ihre eigenen Schulungsinhalte hochzuladen. Diese werden dann mithilfe künstlicher Intelligenz gamifiziert. Lernende können die Inhalte in ihrem eigenen Tempo bearbeiten und die Unternehmen sehen, welche Fortschritte gemacht werden. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es einen Einblick in die mögliche Zukunft praktischer Ausbildung: Die Firma ecoTRN hatte eine VR-Brille mitgebracht, über die sich virtuell das Installieren von Wärmepumpen erlernen lässt – inklusive Controller als Schraubenzieher.
Das Fazit der Veranstaltung: Weltweit wird gerne mit deutschen Unternehmen zusammengearbeitet. Dabei begegnen Unternehmen nicht wenigen Schwierigkeiten und Hürden – durch die verschiedenen Unterstützungsangebote sind sie damit allerdings nicht allein und auch innovative Tools haben großes Potenzial, die Fachkräftegewinnung wesentlich zu erleichtern.
Besonders erkenntnisreich: Im Dialog zwischen den öffentlichen Initiativen und der Privatwirtschaft konnten auch Erwartungen formuliert werden, die wiederum in die Ausgestaltung und Weiterentwicklung von Förderprogrammen einfließen können. Die Exportinitiative Energie bleibt weiterhin engagiert und arbeitet derzeit an einem digitalen Wegweiser zur Unterstützung von Unternehmen auf diesem Gebiet.